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Re-veal <Steinwolle> – Care-Modell zur Erschliessung zirkulärer Potenziale verborgener Materialien

Project Idea Metadata

Project Idea Description

Hintergrund - Ungenutzte Ressourcen für den Kreislauf

Welcher Herausforderung im Bereich des kreisförmigen Bauens und der Bauindustrie begegnet Ihre Idee?

Dämmstoffe bleiben als ReUse-Material oft ungenutzt, und enden als Bauabfall [Hiltbrunner, 2016] [Jakob et al, 2016]. Sie sind unsichtbar und werden selten als architektonisches Element wahrgenommen – dabei steckt viel ungenutztes Zirkularitätspotential darin. Dieses Potentials soll durch die Kombination von neuartige Verantwortungs- und Bewertungsprozessen des Materials nutzbar gemacht werden.

Projektvision - Verantwortung gestalten

Was ist Ihre Vision für die Lösung dieser Herausforderung und warum ist Ihr Ansatz innovativ?

Unsere Vision ist eine umsetzbare Praxis, in der das Potential verborgener Materialien erkannt und als dauerhaft verfügbare Ressource in neue Nutzungskreisläufe überführt wird. Dazu wollen wir die kollaborativen Ansätze aus dem Care-Modell* systematisch in die Prozesskette des Rückbaus integrieren und die Hochskalierbarkeit auf Wirtschaftsmodelle ermöglichen. Ziel ist, über ein ganzheitliches Verständnis zum Materialwert die Verantwortung gegenüber der Ressource zu steigern und zeitgleich einen praxisnahen Umgang mit relevanten Informationen für Entscheidungsträger im Wiederverwertungsprozess zu schaffen.

*Ansatz Integratives Care-Modell für Wiederverwendung

Die Vision ist vom Care-Modell nach Tronto und Fisher [1990] inspiriert, bei dem ein ethischer Rahmen vorgeschlagen wird, der den Prozess des Sich-Kümmerns (Care) systematisch beschreibt. Das Modell verlagert den Fokus von technischen Lösungen auf Beziehungen, Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit – und hat damit auch für das zirkuläres Bauen hohes Potential, um Ressourcen nicht nur technisch zu beschreiben, sondern auch verantwortungsvoll zu behandeln.

Diese Vision wird exemplarisch am Dämmmaterial Steinwolle erprobt. Die vier Phasen des Care-Models, übertragen auf Rückbauprozesse für Steinwolle, lauten:

  1. Caring about: Versteckte Materialien identifizieren, Bedarfe von Stakeholder und Nutzer:innen einbinden,
  2. Caring for: Handlungsbereitschaft entwickeln, Ressourcen, Daten und Zuständigkeiten klären,
  3. Care giving: Rückgewinnung und Wiederverwendung praktisch umsetzen, und
  4. Care receiving: Materialien in neue Kreisläufe überführen, kommunizieren und validieren.

Ziel und Vorgehensweise

Welche Annahmen oder Ideen wollen Sie testen? Woran wollen Sie während des Booster-Programms arbeiten, und was wollen Sie am Ende erreichen?

Kern der Arbeit ist die Entwicklung und Erprobung des Care-Modells für Rückbau und Wiederverwendung von Steinwolle – unter Berücksichtigung technischer Machbarkeit, Stakeholder-Bedürfnisse und ökonomischer Potenziale. Konkrete Handlungsschritte, Rollen und Daten sollen greifbar gemacht werden.

Phase 1. Entwicklung Prozessmodell: Anfangs wird ein möglicher Ablauf des Care-Modells für den Anwendungsfall Steinwolle aufskizziert. Es werden unter anderem folgende Fragen gestellt:

[Kümmerer] --> Identifikation der relevanten Stakeholder und deren Bedürfnisse

[unsichtbar] --> Fokus auf verborgene Baumaterialien. Steinwolle dient als exemplarisches Beispiel.

[wertvoll] --> Fokus auf relevante Informationen zur Materialbewertung und praxisnahen Umsetzung auf technischer, rechtlicher und

wirtschaftlicher Ebene.

Die technischen Erhebungsschritte orientieren sich an der DIN SPEC 91484:2023 «Pre-Demolition Audit». Zudem werden behördliche und ökonomische Rahmenbedingungen, sowie Geschäftsmodelle geprüft. Stakeholder-Bedürfnisse werden durch Interviews zu bestehenden und potenziellen Informationen und Prozessen erfasst.

Phase 2. Demonstration / Testlauf: Ein konkretes Projekt mit Bauelementen wie Trockenbauwänden, Holzständerwänden oder Fassadensystemen dient zur Prüfung der Modellumsetzbarkeit. Anpassungen des Modells sind in dieser Phase vorgesehen.

Phase 3. Evaluierung der Umsetzbarkeit (1.600,-): Im Fokus der Abschlussphase steht die Auswertung des Testlaufs – mit dem Ziel, übertragbare Modelle für Stakeholder und praxisnahe Massnahmen für den Baualltag und anderen Baustoffgruppen abzuleiten.

Projektteam - Interdisziplinarität

Wer gehört zu Ihrem Team, und welche Fachkenntnisse oder Funktionen bringen sie mit?

Das Projektteam setzt sich aus Expert:innen der Architektur, Bauingenieurwesen und Technologie- und Prozessmanagement zusammen, um die unterschiedlichen Perspektiven bearbeiten zu können. Zusätzlich stellt ein Hersteller Information zum Material und dessen Verarbeitungsprozesse zur Verfügung.

Katharina Riedl, Bau-Teilen GmbH: Architektin, Bauleiterin und Handwerkerin; Expertise in alternativen Bau- und Rückbauprozessen, Ausbau von Bau Teilen, Gründungsmitglied der niederschwelligen Bauteilplattform Bauteilcare.

Prof. Dr.-Ing. Susanne Gosztonyi, Hochschule Luzern Technik und Architektur: forscht am Institut für Bauingenieurwesen an nachhaltigen Baukonstruktionen. Der Fokus liegt auf praxisnaher In-Situ-Analyse und eigens entwickelter Messtechnik zur Erfassung der Eigenschaften verbauter Bauteile – unterstützt durch moderne Labore und enge Kooperation mit Industrie und Forschungspartnern.

Prof. Dr. Simon Züst, Hochschule Luzern Technik und Architektur: forscht am Institut für Innovation und Technologietransfer an nachhaltigen Produktionsprozessen. Im Zentrum stehen die Analyse und Optimierung industrieller Prozesse unter Nachhaltigkeitsaspekten. Zum Einsatz gelangen eigens entwickelte Analyse- und Simulationstools. Die Arbeiten sind anwendungsorientiert und erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern und Branchenverbänden.

Status Quo - aktueller Kenntnisstand

Wurde Ihre Idee bereits getestet? Wenn ja, wie lauten die Ergebnisse, und was muss noch getestet werden?

Die Kombination aus dem Care-Modell und gezielter Datenerhebung zu verbautem Material wurde bisher nicht praxisnah umgesetzt. Zwar gibt es theoretische Ansätze in der Architekturtheorie [Cohen und Fenster, 2021] [Mesiranta et al, 2024] oder Experimente wie bei der Biennale 2023 („Open for Maintenance“, Architekturbiennale 2023), doch werden hier Fragen der pragmatischen Umsetzbarkeit in der Praxis, wie z.B. technisch-planerische Informationsqualitäten, Geschäftsmodelle oder regulatorische Auflagen nicht beantwortet. Eine Weiterentwicklung und Übertragung in die Baupraxis steht daher im Zentrum dieses Projekts.

Beitrag zur Gesellschaft und Umwelt

Wie könnte sich Ihre Idee in Zukunft positiv auf den Planeten, die Menschen oder die Wirtschaft auswirken?

Die Anwendung des Care-Modells auf bautechnische Prozesse der Kreislaufwirtschaft ist ein innovativer, bisher nicht erprobter Ansatz in der Praxis. Ziel ist die Integration der Fürsorgeethik in die Erfassung und Nutzbarmachung verbauter Materialien, exemplarisch getestet an Steinwolle – ein bislang wenig erforschtes Feld mit grossem Potenzial. Dieser Ansatz stärkt das Bewusstsein für den Gebäudebestand als wertvolles Materiallager, fördert kollektive Verantwortung, neue Geschäftsmodelle und lokale Arbeitsplätze und trägt zur Materialunabhängigkeit der Schweiz bei.

Erwartetes Geschäftspotential

Wer wird von der Lösung dieses Problems profitieren? Wie wollen Sie die erforderlichen 10 % Drittmittel sicherstellen?

Exemplarisch für die Modellentwicklung dient Steinwolle damit profitiert die Flumroc AG als Projektpartner direkt von den Erkenntnissen. Mittelbar wird das Modell öffentlich zur Weiterbearbeitung auf weitere Baustoffgruppen bereitgestellt.

Die Flumroc AG produziert seit über 60 Jahren Steinwolle-Produkte für vielfältige Anwendungen in der Baubranche, von Fassadenbauteilen bis HLK-Technik. Steinwolle ist vollständig wiederverwendbar. Laut der Studie über Dämmmaterialien von (Jakob et al., 2016) gibt es in der Schweiz ca 11 Mio. m3 verbaute Steinwolle, die laut (Hiltbrunner, 2016) mehrheitlich auf Deponien entsorgt wird. Das Kreislaufpotential dieses Materials ist also enorm hoch.

Mit einem Beitrag von CHF 2000,- unterstützt die Flumroc AG die praxisnahe Prüfung und Recherche zur Eignung zirkulärer Prozesse auf Basis eines erprobten Care-Modells.

Das Projekt entwickelt und erprobt ein neuartiges Modell zur Wiederverwendung verborgener Materialien am Beispiel Steinwolle. Mithilfe des Care-Modells und gezielter Informationsgewinnung soll die Kreislauffähigkeit verbauter Ressourcen nutzbar gemacht werden. Es werden Rückbau, Wiederverwendung, Verantwortlichkeiten, technische Machbarkeit, Stakeholder-Bedürfnisse, Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle geprüft – mit dem Ziel, einen praxisnahen Vorschlag zur Nutzung verborgener Materialien für Kreislaufwirtschaft und lokale Wertschöpfung zu schaffen.