Secondhand-Kunstblumen im Kreislauf: Deko-Sharing im B2B-Kontext
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- Project Idea Name: Secondhand-Kunstblumen im Kreislauf: Deko-Sharing im B2B-Kontext
- Date: 5/14/2025 2:55:46 PM
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Project Idea Description
Welches grundlegende Problem adressiert ihr? Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für Euren Mainstreaming-Ansatz?
Die florale Gestaltung in privaten Wohnräumen, im Eventbereich oder in Geschäftslokalen ist stark von Konsummustern geprägt, die auf einmalige Nutzung ausgelegt sind. In der Schweiz stammen rund 90 Prozent der verkauften Schnittblumen aus dem Ausland, insbesondere aus den Niederlanden (63 %) und Kenia (18 %). Dies bringt hohe Umweltbelastungen mit sich: Beheizte Gewächshäuser und Luftfracht verursachen erhebliche Mengen an CO₂. Pro Kilogramm Blumen werden zudem bis zu 360 Liter Wasser benötigt. Hinzu kommt der intensive Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die Böden und Gewässer belasten und Gesundheitsrisiken bergen. Die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sind zudem oft prekär.
Kunstblumen erscheinen eine ressourcenschonende Alternative zu Schnittblumen zu sein: langlebig, pflegeleicht, bruchsicher. Allerdings sind sie in der Herstellung zunächst umweltbelastend. Zudem werden Kunstblumen typischerweise nur kurzfristig verwendet, nämlich für temporäre Raumgestaltungen, saisonale Dekorationen oder Events. Danach werden sie entsorgt oder bis zur nächsten Verwendung zwischengelagert. Vor allem günstige, modisch schnell veraltende Produkte haben oft einen kurzen Lebenszyklus, was ihren potenziellen ökologischen Vorteil gegenüber Schnittblumen stark relativiert.
Der ökologische Nutzen von Kunstblumen gegenüber Schnittblumen hängt somit massgeblich davon ab, wie häufig sie verwendet werden. Im Gegensatz zu schnell vergänglichen Schnittblumen haben Kunstblumen das Potenzial, über verschiedene Nutzungskontexte hinweg wiederholt Verwendung zu finden – vorausgesetzt, es gibt ein passendes Nutzungsmodell. Ein solches Nutzungsmodell ist Sharing.
Vor diesem Hintergrund formulieren wir folgende Hypothese:
Durch die wiederholte Nutzung von Secondhand-Kunstblumen im Rahmen eines zirkulären Business-to-Business-Sharing-Modells lässt sich ein florales Dekorationsangebot schaffen, das zugleich ästhetisch hochwertig und ökologisch verantwortungsvoll ist.
Das Start-Up Stielbruch knüpft genau hier an – mit einem radikal nachhaltigen Business-to-Business(B2B)-Sharing-Modell für Kunstblumenarrangements. Stielbruch kombiniert Secondhand-Kunstblumen aus Brockenhäusern, von Offcut u.a. mit lokalem Grünschnitt aus Kompostanlagen, Baustellen und Abbruchgärten, arrangiert die Sträusse in Secondhand-Vasen und liefert sie per Velo direkt an die B2B-Kund:innen. So entsteht saisonale, flexible und ästhetisch hochwertige florale Dekoration – ökologisch verantwortungsvoll und ohne Neuanschaffung. Mit einer natürlichen Anmutung, die den Arrangements zusätzliche Lebendigkeit verleiht.
Im bisherigen Betrieb von Stielbruch hat sich gezeigt, dass B2B-Kund:innen aufgrund ihrer regelmässigen Nachfrage und höherer Auftragsvolumen besonders erfolgversprechend sind. Das B2B-Sharing-Modell von Stielbruch richtet sich daher vor allem Organisationen mit vermehrtem floralen Dekorationseinsatz: Eventagenturen, Büros und Praxen mit Kundenverkehr, Gastronomiebetriebe und Kulturinstitutionen. Erste B2B-Pilotkund:innen bestätigen das Potenzial. Im nächsten Schritt müssen nun weitere B2B-Kund:innen gewonnen werden, um eine Skalierung des Geschäftsmodells zu ermöglichen. Diese müssen zielgerichtet adressiert werden. Dazu ist es unerlässlich, die Bedürfnisse dieser B2B-Kund:innen für dieses Angebot zu kennen, ihre möglichen Nutzungshürden zu verstehen sowie dafür geeignete Angebotsformate zu bestimmen. Hier setzt das geplante Booster-Projekt an. Es zielt darauf ab diese Wissenslücken zu schliessen. So wird die Grundlage geschaffen, das bestehende B2B-Sharing-Modell von Stielbruch gezielt weiterzuentwickeln, zu skalieren und langfristig wirtschaftlich wie gesellschaftlich zu verankern.
Welche Gewohnheiten möchtet Ihr durch welchen Ansatz wie verändern oder mainstreamen?
Stielbruch zielt darauf ab, eine tief verankerte Konsumgewohnheit zu verändern: den Umgang mit floraler Dekoration als importiertes Einwegprodukt. Heute wird florale Dekoration meist für einzelne Anlässe erworben – sei es als frische Schnittblume oder als Kunstblume aus synthetischem Material. Besonders im Eventbereich ist die Nutzung von floraler Dekoration inhärent temporär, mit grossem Ressourcenaufwand und kurzer Wirkung.
Diese Praxis soll durch ein zirkuläres B2B-Sharing-Modell abgelöst werden. Anstelle von Besitz tritt ein Service: Stielbruch erstellt Kunstblumenarrangements, kombiniert mit saisonalem Grünschnitt, liefert sie klimafreundlich per Velo an die B2B-Kund:innen aus und holt sie nach der Verwendung wieder ab. Ziel ist es, das Konzept über flexible Abo- und Verleihmodelle in die florale Dekorationspraxis von B2B-Kund:innen zu integrieren und zugleich den Wandel zu zirkulären Konsummustern zu fördern. So etabliert Stielbruch nicht nur ein innovatives Geschäftsmodell, sondern trägt auch dazu bei, florale Dekoration mit Nachhaltigkeit zu verbinden – sichtbar, praktisch und anschlussfähig im urbanen Raum.
Wer wird vom Mainstreamen profitieren und wie?
Vom Mainstreaming profitieren verschiedene Akteur:innen: Eventveranstalter:innen, Gastronomiebetriebe und andere Unternehmen können ihren Gästen, Kund:innen und Mitarbeitenden flexible, stilvolle, klimafreundliche florale Dekoration bieten – ohne sich um Lagerung, Pflege oder Entsorgung kümmern zu müssen. Sie können ihre Events und ihre Räumlichkeiten durch stilvolle und hochwertige Dekoration aufwerten und dies klimafreundlich umsetzen. Sie müssen nicht zwischen Nachhaltigkeit und ästhetischer Gestaltung abwägen. Die Umweltbelastung wird reduziert, weil die negativen Auswirkungen konventioneller Schnittblumennutzung entfallen: CO₂-intensive Schnittblumenimporte, ressourcenaufwendige Neuproduktion von Kunstblumen und Plastikabfälle werden vermieden. Die Gesellschaft gewinnt, weil nachhaltige Konsumformen normalisiert werden und neue gemeinschaftlich genutzte Ästhetiken etabliert werden. Lokale Akteur:innen – wie Brockenstuben, Materiallager wie Offcut, Verschenkplattformen und Kompostanlagen – werden in eine zirkuläre Wertschöpfungskette eingebunden. Sie profitieren von zusätzlichen Aufträgen, Sichtbarkeit und Vernetzung im lokalen Netzwerk nachhaltiger Akteur:innen. So ist Tilla Künzli mit ihrem Startup Stielbruch bereits offizielle Botschafterin von Offcut.
Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW und dem Startup Stielbruch umgesetzt. Praxisnahe Forschung wird so mit unternehmerischem Handeln zusammengebracht. Das Projektteam ergibt sich aus folgenden Personen:
Prof. Dr. Anne Herrmann, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, Professorin für Wirtschaftspsychologie & Leiterin des Instituts für Marktangebote und Konsumentscheidungen: Expertise in Konsumentscheidungen und nachhaltigen Verhaltensweisen. Anne verantwortet die wissenschaftliche Konzeption, Durchführung, Auswertung und Berichterstellung der Studie.
Luca Antonio Scarperi, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FHNW: verfügt über breite Erfahrung in qualitativer und quantitativer Forschung und bringt praktische Forschungserfahrung aus Nachhaltigkeits- und Konsumprojekten mit. Er arbeitet an allen Projektphasen mit.
Tilla Künzli, Gründerin und Geschäftsführerin von Stielbruch: bringt ihre fundierte Marktkenntnis sowie den direkten Zugang zu bestehenden und potenziellen B2B-Kund:innen in das Projekt ein. Tilla übernimmt die Kontaktaufnahme mit relevanten B2B-Kund:innen, begleitet die Entwicklung und Präzisierung des Interviewleitfadens auf Basis ihrer Praxiserfahrung und stellt geeignetes Stimulusmaterial für die qualitative Forschung zur Verfügung.
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Stielbruch ist seit 2020 für B2C-Kund:innen tätig. Seit Juni 2024 konnte Stielbruch erste B2B-Kund:innen gewinnen, was das grundsätzliche Interesse und die ästhetische, wie erste praktische Anschlussfähigkeit des Angebots bestätigt. Allerdings erfolgte die B2B-Kund:innenansprache bislang ohne strategische Grundlage und unter hohem Ressourceneinsatz, was das Wachstum bisher stark limitierte. Um das Angebot zu skalieren, müssen diese Aufwände gezielt kanalisiert werden. Dafür braucht Stielbruch ein klares Verständnis dafür, welche B2B-Kund:innengruppen besonders erfolgversprechend sind und wie sie wirksam angesprochen werden können. Es fehlt an strukturiertem Wissen, was die Zielgruppe braucht, welches ihre Nutzungsmotive sind und wie sie vorgehen, wenn sie einen Anbieter für florale Dekoration für ihr Event auswählen. Diese Erkenntnisse sind notwendig, um passende B2B-Kund:innen zu identifizieren. Diese können dann von Stielbruch gezielt adressiert werden, um das Geschäftsmodell zu skalieren.
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten? Was erhofft ihr, werdet ihr am Ende des Boosters konkret erreicht haben?
In diesem Booster-Projekt möchten wir zentrale Bedürfnisse, Motivationen und potenzielle Hürden aus Sicht von (potenziellen) B2B-Kund:innen von Stielbruch untersuchen. Zu diesem Zweck führen wir eine qualitative Studie mit 10 leitfadengestützten Tiefeninterviews à rund 60 Minuten durch. Wir werden dazu mit bisherigen und potenziellen Stielbruch-Kund:innen sprechen, damit wir beide Perspektiven einholen können. Durch diese Interviews können wir die tieferliegenden Bedürfnisse, Entscheidungsprozesse sowie Nutzungsmotive und -barrieren der (potenziellen) Stielbruch-Kund:innen systematisch erfassen. Wir erfragen in diesen Interviews konkret, in welchen Kontexten (potenzielle) B2B-Kund:innen florale Dekoration einsetzen oder zukünftig einsetzen möchten. Zudem erfassen wir, welche Anforderungen an ein florales Dekorationsangebot sie hinsichtlich Ästhetik, Flexibilität, Liefermodalitäten, Nachhaltigkeitsaspekten und Budget haben. Besonders interessiert uns, wie sie Entscheidungen für oder gegen bestimmte Anbieter:innen treffen. Dafür erfassen wir nicht nur, wie (potenzielle) B2B-Kund:innen das Angebot von Stielbruch und Konkurrenten wahrnehmen, was sie darüber denken und fühlen. Sondern wir erfragen auch, wie sie sich konkret für oder gegen ein Angebot entscheiden, welche Abwägungen sie dabei machen und welche Kriterien für sie ausschlaggebend sind. So entsteht ein differenziertes, belastbares Verständnis für die Zielgruppe, das über punktuelles, standardisiertes Feedback hinausgeht.
Am Ende des Booster-Projekts werden belastbare Handlungsempfehlungen vorliegen, die Stielbruch eine fundierte Grundlage für die strategische Ausrichtung des Geschäftsmodells bieten. Diese Ergebnisse schaffen die inhaltliche Basis für gezielte Marketingmassnahmen – etwa zur Positionierung des Angebots, zur Zielgruppenansprache und zur Angebotskommunikation.
Stielbruch wird aktuell von der Startup Academy Basel unterstützt und in diesem Rahmen von einem Marketing-Experten bei der Umsetzung dieser Massnahmen begleitet. Die von der FHNW erarbeiteten Resultate sind die massgebende Ausgangslage für die gelingenden Marketingschritte. Denn das erarbeitete Wissen in diesem Booster-Projekt wird direkt in die Entwicklung der Marketingmassnahmen einfliessen können und die Skalierung des Angebots gezielt fördern.
Was erhofft ihr Euch von dem Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partner:innen (wenn ja, wem?), Verknüpfung mit der Verwaltung usw.)?
Wir erhoffen uns vom Booster eine finanzielle Unterstützung, die uns – Stielbruch und der FHNW – ermöglicht, das Projekt umzusetzen. Wir sehen ein grosses Potenzial in der fachlichen Begleitung – insbesondere in Hinblick auf die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells. Ebenso zentral ist für uns der Zugang zu einem Netzwerk relevanter Praxispartner:innen, Städte oder Gemeinden, die offen sind für so eine innovative Sharing-Lösung. Auf diese Weise kann das Vorhaben gezielt weiterentwickelt und wirkungsvoll in bestehende urbane Strukturen integriert werden.
Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?
Unser Team vereint bereits die nötigen zentralen Kompetenzen, um das Projekt umzusetzen: Praxiserfahrung durch Tilla als Gründerin und Geschäftsführerin von Stielbruch sowie wirtschaftspsychologische Expertise im Bereich nachhaltiger Konsumforschung durch die FHNW. Mit der angestrebten Skalierung steigen aber auch die Anforderungen in betriebswirtschaftlicher und juristischer Hinsicht – etwa in Bezug auf Fragen der passenden Geschäftsform, Vertragsgestaltung und Anstellung von Personal. Daher wünschen wir uns Coaching durch Expert:innen aus dem Bereich Unternehmensentwicklung, Recht und betriebswirtschaftlicher Skalierung, die uns bei diesen Herausforderungen gezielt und professionell unterstützen können, damit Stielbruch auch bei einer Skalierung gut aufgestellt ist.
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was (maximal CHF 22’500 inkl. Expert:innen-Gutscheine)?
Für das Projekt beantragen wir den Maximalbetrag von CHF 19'000. Die Mittel sind für die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Interviews sowie die Ableitung eines fundierten Skalierungskonzepts für Stielbruch vorgesehen:
Die Aufteilung im Projektteam ist wie folgt geplant:
- FHNW: CHF 16'000 für Methodenentwicklung, Erstellung des Interviewleitfadens, Planung, Durchführung und Auswertung der Interviews, Berichterstattung sowie Erarbeitung der Konzeptentwicklung.
- Stielbruch: CHF 3'000 für die Rekrutierung von bestehenden Kund:innen, praxisnahe Unterstützung bei der Entwicklung des Leitfadens und bei der Konzeptentwicklung.
Zusätzlich planen wir mit Coaching-Gutscheinen im Wert von CHF 3'500, um gezielt Expertise im Bereich Unternehmensentwicklung, Recht und betriebswirtschaftlicher Skalierung einzuholen (siehe oben). Die Kombination aus unserem Projekt und gezieltem Coaching stellt sicher, dass Stielbruch erfolgreich für die Skalierung aufgestellt ist.
Das Basler Startup Stielbruch betreibt ein zirkuläres Business-to-Business(B2B)-Sharing-Modell für florale Dekoration: Secondhand-Kunstblumen werden mit lokalem geretteten Grünschnitt zu Sträussen kombiniert und inklusive Secondhand-Vase nachhaltig per Velo an B2B-Kund:innen geliefert. Nach dem Gebrauch werden die Kunstblumensträusse abgeholt und für die erneute Verwendung wiederaufbereitet. Um die Skalierung des bestehenden Angebots strategisch voranzutreiben, werden in diesem Projekt zentrale Kund:innenbedürfnisse für das B2B-Kundensegment identifiziert.