Baubewilligung kreislauffähig
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: Baubewilligung kreislauffähig
- Date: 3/18/2024 5:43:32 PM
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Project Idea Description
Erfreulicherweise wird der öffentliche Diskurs über Wiederverwendung am Bau seit einiger Zeit auch auf der Ebene rechtlicher Aspekte geführt. Entsprechend viele Publikationen und wissenschaftliche Papiere wurden in letzter Vergangenheit zu diesem Thema publiziert. So schärft beispielsweise das aktuelle «Merkblatt – Wiederverwendung von Bauteilen» aus der Zusammenarbeit von Zirkular GmbH und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW, den Fokus auf rechtliche Aspekte von Re-use. Der Schwerpunkt dieses öffentlichen Diskurses über die rechtlichen Abhängigkeiten der Wiederverwendung liegt auf Normen, Qualitäten, Gewährleistungen, und Haftungsfragen etc. Was bisher kaum thematisiert wird, ist das Bewilligungsverfahren bei Re-use-Projekten. Genau da wollen wir ansetzen und die Voraussetzungen für einen re-use-fähigen Baubewilligungsprozess identifizieren.
Welches Problem wollen wir lösen:
Das heute gängige Baubewilligungsverfahren folgt der Logik einer linearen Bauwirtschaft. Zu einem frühen Zeitpunkt im Planungsprozess müssen Bauherrschaften und Planer*innen konkrete Aussagen über die Konstruktion, die Materialisierung und die Gestaltung von Bauprojekten definieren, um eine Baubewilligung zu erhalten. Was aber, wenn wir noch nicht wissen, welche Materialien und Bauteile zur Wiederverwendung zur Verfügung stehen werden? Wenn wir noch nicht wissen, ob wir eine Wendeltreppe oder eben doch eine geradläufige Treppe zur Wiederverwendung organisieren können? Wie müssen wir den Bewilligungsprozess gestalten, damit die Prüfungsbehörde einen ausreichend grossen Spielraum hat, um mit den Unsicherheiten der Wiederverwendung von Materialien und Bauteilen umzugehen?
Zusammen mit der Stadt Thun spielen wir am konkreten Pilotprojekt «Stadionbaute FC Lerchenfeld» den Bewilligungsprozess eines Re-use-Projekts durch. Wir wollen zusammen mit der lokalen Bewilligungsbehörde, Schwierigkeiten aber auch Möglichkeiten im Prozess identifizieren und gemeinsam das Bewilligungsverfahren in der Stadt Thun re-use-fähig machen. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit werden in einem Merkblatt publiziert und sind selbstverständlich auf andere Gemeinden und Regionen übertragbar.
Wer wird von unserer Lösung profitieren:
Von unseren Erkenntnissen und dem daraus entwickelten «Merkblatt-Baubewilligung kreislauffähig» profitieren alle privaten und professionellen Bauherr*innen, Grundstückseigentümer*innen und Planer*innen, die ihre Projekte den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft folgend gestalten möchten sowie die Bewilligungsbehörden.
Wer ist Teil unseres Teams:
Aus privatwirtschaftlicher Initiative entwickelt, ist das Projekt heute an den Verein Smart Regio Thunersee (Umsetzungspartner) angeschlossen. Das Institut für Siedlungsentwicklung und Infrastruktur der Berner Fachhochschule wird uns wissenschaftlich und juristisch begleiten und verstärkt uns als Forschungspartner. Die Stadt Thun als Projektpartnerin ergänzt das Team.
Wie wirkt sich unsere Lösung positiv auf den Planeten aus:
Eine Vereinfachung des Baubewilligungsprozesses für Re-use-Projekte reduziert die Prozessrisiken, mit denen sich heute Bauherrschaften und Projektentwickler bei Re-use-Projekten konfrontiert sehen. Je kleiner die Hürden zur Wiederverwendung von Materialien und Bauteilen sind, desto mehr Planer*innen und Bauherrschaften lassen sich auf eine neue, zirkuläre und zukunftsfähige Baukultur ein. Jedes Projekt, das zumindest in einzelnen Teilen aus sekundären Materialien und Bauteilen realisiert wird, leistet einen Beitrag dazu, den gewaltig grossen Circularity-Gap der Schweiz Schritt für Schritt zu reduzieren.
Wurde unsere Idee bereits getestet:
Die Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien in der Bauwirtschaft ist ein allgegenwärtiges Thema in der aktuellen Architekturdiskussion und bringt erfreulicherweise immer mehr Beispielprojekte hervor. Entsprechend gibt es viele Re-use-Projekte, die bereits einen Bewilligungsprozess durchlaufen haben. Bisher bedeutet die Bewilligung von Projekten mit wiederverwendeten Bauteilen und Materialien allerdings grossen Mehraufwand für Planende und ein Risiko für Bauherrschaften. Ziel muss es sein, den Bewilligungsprozess so zu gestalten, dass Bauherrschaften oder Projektentwickler nicht bereits vor dem Bewilligungsverfahren und auf eigenes Risiko Bauteile und Materialien aus dem Sekundärmarkt erwerben und sammeln müssen. Oder, dass der Wechsel einer Fassadenfarbe nicht in jedem Fall zu einem Planänderungsgesuch führt. Flexibilität im Planungs- und Bewilligungsprozess entlastet Planende, Bauherren und Behörden.
Woran wollen wir während des Boosters arbeiten:
Zusammen mit der Stadt Thun führen wir am konkreten Pilotprojekt «Stadionbaute FC Lerchenfeld» den Bewilligungsprozess eines Re-use-Projekts durch. Wir wollen zusammen mit der lokalen Bewilligungsbehörde, Schwierigkeiten aber auch Möglichkeiten im Prozess identifizieren und gemeinsam das Bewilligungsverfahren in der Stadt Thun re-use-fähig machen. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit werden in einem Merkblatt publiziert und sind selbstverständlich auf andere Gemeinden und Regionen übertragbar.
Was werden wir am Ende des Booster-Programms vorlegen:
Zusammen mit der Bewilligungsbehörde der Stadt Thun entwickeln wir Lösungen, wie der Baubewilligungsprozess kreislauffähig gestaltet werden kann. Ziel ist die Publikation eines Merkblattes für die Baueingabe von Re-Use-Projekten. Diese Resultate sind auf andere Gemeinden und Regionen übertragbar.
Wie wollen wir die Drittmittel (10% des Gesamtbetrags) einwerben:
Der Verein Smart Regio Thunersee beabsichtigt als Umsetzungspartner die 10% der Fördersumme als Drittmittel aus einem Sponsoring durch einen projektbezogenen Partner zu beschaffen. Die Finanzierung der Drittmittel kann gewährleistet werden.
Das heute gängige Baubewilligungsverfahren folgt der Logik einer linearen Bauwirtschaft. Unser Ziel ist es den Baubewilligungsprozess kreislauffähig zu machen, um den Wandel in der Bauwirtschaft für eine breite Menge an Planer*innen und Bauherr*innen besser anwendbar zu machen. Jedes Projekt, das zumindest in einzelnen Teilen aus sekundären Materialien und Bauteilen realisiert wird, leistet einen Beitrag dazu, den gewaltig grossen Circularity-Gap der Schweiz Schritt für Schritt zu reduzieren.