FURNY – das Kreislaufsystem für gebrauchte Wohnmöbel
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: FURNY – das Kreislaufsystem für gebrauchte Wohnmöbel
- Date: 7/30/2024 6:33:40 PM
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Project Idea Description
Dieses Problem möchten wir lösen
Aufgrund der Klimaveränderungen rückt das Leben in planetaren Grenzen zunehmend ins Bewusstsein der Menschen. Dennoch gibt es nach wie vor Bereiche, in denen dieses Denken noch nicht angekommen ist: Der Konsum von Wohnmöbel. Laut einem EU-Projekt machen Möbelabfälle über 4% des gesamten Siedlungsabfalls in der EU aus, wobei 18% aus gewerblichen Quellen stammen. Von den jährlich 10,78 Millionen Tonnen Möbelabfall werden 80-90% verbrannt oder deponiert, während nur etwa 10% recycelt werden (Furn360, 2018).
Wohnmöbel wurden bis in die 1970er Jahre für mehrere Generationen gebaut, aus hochwertigen Materialien wie Massivholz, Chromstahl, Leder und Fiberglas. Ab den 1980er Jahren kamen jedoch preisgünstige Möbel und Wohnaccessoires aus Schaumstoff, Plastik und synthetischen Stoffen auf den Markt. Dies führte dazu, dass kurzlebige und preisgünstige Produkte den Weg in die Haushalte fanden. Ähnlich wie in der Bekleidungsindustrie mit „Fast Fashion“ hat so „Fast Furniture“ den Zugang zu günstigen Wohneinrichtungen ermöglicht.
Ein grosses Hindernis für nachhaltiges Möbelkonsumverhalten ist u.a. die Gewohnheit und, dass es oft billiger ist, Gegenstände zu ersetzen, anstatt sie zu reparieren oder zu entsorgen, anstatt sie weiterzugeben. Dies führt zu Ressourcenverschwendung, Entzug von Rohstoffen aus dem Kreislauf, CO2-Emissionen durch Produktion und Transport sowie hoher Abfallproduktion. Zeitliche Diskrepanzen und Platzprobleme bei Ersatzkäufen oder beim Umzug führen dazu, dass Möbel oft auf Entsorgungsstellen oder im Keller/auf dem Dachboden landen. Überkonsum wird durch billige Angebote und Trends gefördert, während Logistikprobleme bei grossen Möbeln und mangelndes Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft das Problem verschärfen.
So trägt unsere Idee zur Lösung des Problems bei/Wer profitiert von der Lösung
Unsere Vision ist, dass sich die Sichtweise auf den Wert von gebrauchten Wohnmöbeln radikal ändert. Bei der Möbelanschaffung und -entsorgung sollten alle Möglichkeiten der Kreislaufschliessung – wie Teilen, Wiederverwenden (Weitergeben), Reparieren, Wiederaufbereiten und Recyceln – berücksichtigt werden. Dies kann eine nachhaltigere Nutzung von Wohnmöbeln fördern und die negativen Auswirkungen der Wegwerfgesellschaft reduzieren. Es gibt vielfältige Ansätze, um den Lebenszyklus von Wohnmöbeln zu verlängern und unseres Erachtens bleiben viele dieser Möglichkeiten noch ungenutzt. Beispielsweise könnten Möbel, die von betagten Menschen bei einem Umzug ins Altersheim, von Expats beim Wegzug oder von Institutionen wie Schulen, Verwaltungen und Büros gezielt weiterverwendet oder aufgearbeitet werden. Weitere interessante Möglichkeiten sind Möbelmietmodelle oder eine Möbelgenossenschaft.
Wir möchten verschiedene Möglichkeiten für zukunftsfähige Kreislaufsysteme anschauen und ergebnisoffen einen Prozess starten um innovative Ansätze zu entwickeln, damit Stadtbewohner*innen sensibilisiert und in ihrer Entscheidung dort unterstützt werden, wo der grösste Impact entsteht. Zum Zeitpunkt der Bewerbung ist noch unklar, ob der Output in Form einer Start-up Idee, einer Konzeptidee für eine Plattform sein wird oder ob der Grundstein für eine soziale Innovation gelegt wird.
So wirkt sich die Lösung positiv auf den Planeten aus
Das Projekt zielt u.a. darauf ab, zur CO2-Reduktion beizutragen, Ressourcen sowie Energie zu sparen und dadurch den negativen Folgen der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. In einem ersten Schritt richten wir uns an die Bewohner*innen der Stadt Zürich, später auch an andere städtische Gemeinschaften.
Personen/Organisationen in unserem Team und ihre Rolle
Unser Team ist inter- und transdisziplinär aufgestellt und besteht aus den folgenden Partner*innen.
Praxispartner*innen
Jean Philippe Gross und Somara Gantenbein sind engagierte Mitglieder des Vereins "of chairs and choices", die in diesem Projekt ihre vielfältigen Kompetenzen vereinen. Jean Philippe, ein erfahrener Innenarchitekt mit einem breiten Netzwerk in der Möbelbranche, bringt wertvolles handwerkliches Wissen und strategisches Designverständnis ein. Somara, eine Umwelt- und Wirtschaftspsychologin mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Konsumverhalten, steuert ihre Expertise in Verhaltensforschung und Kreislaufwirtschaft bei. Gemeinsam streben sie danach, innovative Ansätze spezifisch für nachhaltige (kreislauffähige) Wohnmöbelkonzepte zu fördern, die zu einem positiven gesellschaftlichen Wandel beitragen.
Vereinszweck "of chairs and choices": Der Verein verfolgt das Ziel, ein nachhaltiges Kreislaufsystem für gebrauchte Wohnmöbel zu etablieren. Wir engagieren uns dafür, Verbraucher*innen für die ökologischen und sozialen Vorteile eines bewussten Möbelkonsums zu sensibilisieren. Dabei fördern wir das Teilen, Wiederverwenden, Reparieren, Wiederaufbereiten und Recyceln von Möbelstücken. Unser Ziel ist es, die negativen Auswirkungen der Wegwerfgesellschaft zu minimieren und einen Beitrag zur Ressourcenschonung zu leisten. Durch unsere Arbeit möchten wir ein Umdenken im Konsumverhalten anstossen und nachhaltige Alternativen im Umgang mit Wohnmöbeln aufzeigen. Zudem streben wir danach, ein skalierbares Format zu entwickeln, das breite Bevölkerungsgruppen erreicht und so eine grösstmögliche Wirkung entfaltet.
Forschungspartner*innen
Zentrum für Bautechnologie und Prozesse an der ZHAW:
Yves Ebnöther, *1974, Industriedesigner: Studium Produktdesign in London, Mitarbeit in verschiedenen Designbüros, Nachdiplomstudium MAS/ARCH CAAD ETH Zürich, Aufbau und Leitung des RAPLAB D-ARCH ETH Zürich, Mit-Gründer FABLAB Zürich, Gastdozent im BA Objektdesign der HSLU, ordentlicher Professor für “Computer Generated Object Design” an der Technischen Hochschule Nürnberg, Dozent für “Digitale Technologien im Entwurf” an der ZHAW – Büro für Design und Produktentwicklung in Zürich (www.ebnoether.com).
Fachgruppe Umwelt- und Nachhaltigkeitspsychologie an der ZHAW: folgt
Wurde die Idee bereits getestet
Zur Förderung der Kreislauffähigkeit von Wohnmöbeln gibt es bereits erste Ansätze. In Zürich existieren zahlreiche Midcentury-Möbelgeschäfte, die hochwertige Vintage-Stücke anbieten, doch nicht alle Menschen bevorzugen diesen Stil. Ein weiterer Ansatz sind die grossen Secondhand-Plattformen, diese bieten ebenfalls eine Möglichkeit, Möbel im Kreislauf zu halten, dabei stossen Konsument*innen jedoch auf Herausforderungen wie Transportprobleme und zeitliche Koordination. Zudem gibt es innovative Hersteller, die neue kreislauffähige Produkte, herstellen (z.B. Matratze von “ecomade” aus der Schweiz, Tische und Stühle von “WYE Design” aus Deutschland). Diese neu hergestellten Produkte sind allerdings noch Nischenprodukte. Was fehlt, sind innovative Bestrebungen für bereits bestehende, hochwertige Möbel, damit diese möglichst lange im Kreislauf gehalten werden.
Arbeitsumfang und Output aus Booster
Work Package 1: Kick-off – Eingrenzung des Explorationsfeldes
Durch unser Hintergrundwissen und verschiedene Vorgespräche haben wir festgestellt, dass das Spektrum der Möglichkeiten sehr umfassend ist und wir verschiedene Stossrichtungen für Lösungsmöglichkeiten bzgl. “Fast Furniture” sehen. Daher bedarf es anfänglich einer Eingrenzung des Explorationsfeldes. Durch die Bündelung von Wissen aus Praxis und Forschung wird an einem gemeinsamen Kick-off-Tag die Stossrichtung bestimmt, anhand dieser dann in WP2 geeignete Akteur*innen im Markt bestimmt werden können.
Diese Phase umfasst:
- Halbtägiges Kick-off Meeting mit Blick auf Praxis und Forschung
- Einordnung des Projektes in einen grösseren Kontext
- Festlegen der Stossrichtung
Work Package 2: Discover – Marktanalyse und Exploration der Herausforderungen von Endnutzer*innen
Um die Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, ist das WP 2 in zwei Teile gegliedert. Teil 1 befasst sich mit der Wahrnehmung des Marktes sowie den Endnutzer*innen aus Sicht der Akteur*innen, Teil 2 exploriert die Bedürfnisse und Herausforderungen aus Sicht der Endnutzer*innen selbst.
Teil 1
Für eine Marktanalyse und erste Exploration führen wir Interviews mit verschiedenen relevanten Akteur*innen im Bereich Wohnmöbel durch. Mögliche Akteure sind bspw. ein Produzent d.h. eine grosse “Fast Furniture”-Firma, welche auch einen Kreislaufansatz verfolgt (z.B. IKEA), Händler von Vintage Möbeln, Dienstleister (z.B. Brockenhaus), private Hausräumungsunternehmen sowie öffentliche Entsorgungs- und Recyclingstellen.
Diese Phase umfasst:
- Definition und Recherche der relevanten Akteur*innen
- Erstellung eines Leitfadens für die Befragung
- Durchführung der Akteur*innen-Interviews
- Nachbereitung/Dokumentation der Interviews
- Analyse der Interviews für Teil 2 und WP 3
Teil 2
Um die Bedürfnisse und Herausforderungen der Endnutzer*innen zu explorieren, werden in diesem Teil leitfadengestützte Interviews mit Bewohner*innen der Stadt Zürich durchgeführt.
Diese Phase umfasst:
- Erstellung eines Leitfadens für die Befragung basierend auf der Akteur*innen-Interviews
- Rekrutierung von Interviewteilnehmenden
- Durchführung der Endnutzer*innen-Interviews
- Nachbereitung/Dokumentation der Interviews
- Analyse der Interviews für WP 3
Work Package 3: Define – Problemdefinition und erste Lösungsideen generieren
In einem ganztägigen Ideation-Workshop arbeiten wir mit verschiedenen Akteuren zusammen, um basierend auf den ersten Erkenntnissen aus WP 2 der Akteur*innen und Endnutzer*innen konkrete Lösungsansätze zu definieren und zu schärfen. Die Akteur*innen aus können zugleich auch mögliche Projektpartner*innen für die Umsetzungsphase sein.
Diese Phase umfasst:
- Ermittlung von weiteren Herausforderungen und Konflikten
- Erarbeitung von Zielgruppenbeschreibungen
- Generierung von Lösungsideen
- Produktion einfacher, kostengünstiger Prototypen (Lo-fi)
- Bewertung der Ideen
Output
Die Ergebnisse aus den Work Packages 1, 2 und 3 werden umfassend dokumentiert: Alle Lösungsideen, einschliesslich erstellter Prototypen, sowie die gewonnenen Erkenntnisse aus den drei Work Packages werden zum Abschluss des Boosters in einer Dokumentation festgehalten. Dies dient der detaillierten Ausarbeitung des Produkts und des Konzepts sowie dem Zweck, Partner*innen für die Test- und Umsetzungsphase zu gewinnen, um das Projekt weiter voranzutreiben.
Input durch FUS-Booster-Team
- WP1-3: Bei Interesse Inputs/Feedback durch FUS-Booster-Team
- WP2 und WP3: Kontaktvermittlung für potentielle Interviewpartner*innen und/oder Ideation-Workshop-Teilnehmende
- WP3: ggf. Mithilfe, Begleitung, ev. Co-Moderation der Ideation-Workshops
- Unterstützung bzgl. Fördermöglichkeiten zur Weiterführung des Projekts über den Booster hinaus
Gefordertes Budget
CHF 21’000.00 + 4’000.00 Expert*innen-Gutscheine
Wohnen ist ein Klimakiller! Der Konsum von Wohnmöbeln ist ressourcenintensiv und verlangt nach umweltfreundlichen Alternativen. Unser Projekt zielt darauf ab, ein nachhaltiges Kreislaufsystem für gebrauchte Wohnmöbel zu schaffen. Wir sensibilisieren und unterstützen Verbraucher*innen beim Möbelkauf auf Teilen, Wiederverwenden, Reparieren, Wiederaufbereiten und Recyceln zu berücksichtigen. So können die negativen Auswirkungen der Wegwerfgesellschaft reduziert und Ressourcenverschwendung vermieden werden.