«Beispiel Küngenmatt» – Alternativen zum Abriss
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- Project Idea Name: «Beispiel Küngenmatt» – Alternativen zum Abriss
- Date: 8/30/2024 1:10:14 PM
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Project Idea Description
PROBLEM + LÖSUNGSANSATZ
Im Diskurs um die sozialökologische Bauwende ist häufig zu hören, «man könne nicht mehr anders bauen als mit Abriss-Neubau». Die Gründe bleiben oft vage und werden nicht gegeneinander abgewogen: So würden etwa Sanierungen und Aufstockungen wegen Regulierungen zu Statik, Barrierefreiheit, Parkplätzen und Brandschutz zu teuer; oder die Substanz des Bestandes sei zu alt; ein anderes Projekt als Abriss-Neubau sei nicht wirtschaftlich; alternative Szenarien scheitern an der Verdichtung; oder ein Neubau sei schlicht das ökologischste Projekt.
Dabei stellen sich diese Argumente bei genauerer Betrachtung entweder als unvollständig heraus (z.B. aufgrund eines fehlenden Einbezugs der grauen Energie/Emissionen), hinterfragen nicht unsere Vorstellungen von Wohlstand (z.B. ob überall ein gleich hoher Ausbaustandard ein Muss ist), wären kreativ umsetzbar (z.B. Barrierefreiheit durch Laubengänge statt durch Lifte) oder könnten mit veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen durchaus funktionieren (z.B. durch ein Hinterfragen der Parkplatzvorgaben oder hohen Anforderungen an Gebäudetechnik).
Statt allgemeine Hinweise auf den Status Quo brauchen wir darum dringend konkrete Beispiele, die aufzeigen: Es ist möglich, anders zu bauen! Und wir müssen ehrlich und im nötigen Detail aufzeigen, unter welchen Bedingungen dies umsetzbar wird. Eine erste Initiative entstand 2022 mit dem Beispiel Bergacker (www.beispiel-bergacker.ch). Dabei wird eine Nachkriegs-Siedlung mit Baujahr 1954 auf ökologische, soziale und ökonomische Alternativen hin befragt. Die ersten Schlüsse daraus zeigen, dass Strategien wie Aufstocken und Anbauen diskussionswürdig sind und kombiniert mit einem Teilersatz (statt Totalersatz) tatsächlich ökologisch wie sozial nachhaltige Lösungen denkbar werden.
Die Initiative «Beispiel Bergacker» war bewusst so angelegt, dass sie sich bei Gelegenheit auch in eine Reihe mit anderen Beispielen auswachsen kann. Das grosse Interesse am öffentlichen Anlass im ZAZ Bellerive zeigte, dass Bemühungen in diese Richtung unbedingt weitergeführt werden sollen. Nun bietet sich eine ideale Gelegenheit mit der Siedlung Küngenmatt im Heuried. Diese vorbildlich erhaltene und erst kürzlich noch sanierte Siedlung wird von der Eigentümerin (Crédit Suisse) 2025 abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Von den Mieter*innen wird seit Monaten ein vehementer Widerstand an die Öffentlichkeit getragen, der die ökologischen und sozialen Konsequenzen dieses Vorgehens aufzeigt (www.wirbleibenimheuried.ch). Die Betroffenen haben viel Material zusammengetragen, welches nun in ein zweites «Beispiel Küngenmatt» aufgearbeitet werden kann. Die ökonomischen Berechnungen sind seitens Hannes Reichel (ETH Zürich) zugesichert. Der Verein Mieten-Marta bietet sich an, die aufwändige Koordination mit weiteren Inputgebenden sowie die Aufarbeitung des Berichts, Website und deren Veröffentlichung (inkl. öffentliche Diskussion) zu organisieren.
Damit wollen wir den öffentlich-fachlichen Diskurs um Alternativen im Bauen weiterbringen und konkretisieren.
WER PROFITIERT?
- Fachpublikum (Planung, Architektur): Erkenntnisse können in eigene Arbeit einfliessen, besonders im Umgang mit Nachkriegsbestand aus den 1950er Jahren
- Politischer Diskurs: Fachpersonen werden eingeladen, sich in den öffentlichen Diskurs stärker einzubringen und die nötigen gesetzlichen und praktischen / unternehmerischen Veränderungen mitzutragen
- Breite Öffentlichkeit: Das Narrativ von “es ist halt nicht anders möglich” erhält Gegenwind, es eröffnen sich neue Möglichkeitshorizonte und Vorstellungen, wie zukünftig die Schaffung von Wohnraum auch anders aussehen könnte
- Mieter*innen in der Siedlung Küngenmatt: Ihre Forderungen erhalten durch die fachliche Fundierung weitere Unterstützung
TEAM
Koordination: Verein Mieten-Marta, www.mieten-marta.ch
Antonia Steger, MA Kulturanalyse (Universität Zürich)
- anschliessendes Doktoratsstudium am Forschungsschwerpunkt Sprache und Raum
- Mitgründerin Verein Mieten-Marta (www.mieten-marta.ch)
- politisches Engagement und Mit-Initiantin des Mietenplenums Zürich (www.mietenplenum.ch)
- diverse Publikationsprojekte im Rahmen der Anstellung bei gta Ausstellungen (https://ausstellungen.gta.arch.ethz.ch), u.a. Co-Autorschaft von Legislating Architecture Schweiz (https://www.editionpatrickfrey.com/de/books/legislating-architecture-schweiz)
- Co-Autorin von «Beispiel Bergacker»
Kooperation mit «IG Nicht im Heuried» und Mietenplenum Zürich: stellen alle bisherigen Recherchen zur Verfügung
Kooperation mit Hochschule: Hannes Reichel: dipl. Arch ETH/SIA, Dozent Immobilienökonomie ETH Zürich, Dept. Architektur
Netzwerk, das im Falle einer Zusage eingeladen wird: Aus der Initiative www.beispiel-bergacker.ch bestehen enge Verbindungen zu baubüro insitu, Countdown 2030, dem Mieter*innenverband Zürich und der Fachzeitschrift Hochparterre. Seine Unterstützung zugesagt hat Prof. Dr. Philippe Koch (ZHAW Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen, Co-Autor von «Siedlungsbiographien entwerfen» (https://www.wbw.ch/de/shop/werk-edition/siedlungsbiografien.html) und ab Januar 2025 in der Funktion “Wohndelegierter” der Stadt Zürich). Weitere Kontakte wurden seit Herbst 2022 aufgebaut, die diesmal ebenfalls eingebunden werden sollen (z.B. ZAS*, Büros in Basel für Projekte nach der Wohnschutz-Initiative etc.), IG Zentrum Hardbrücke etc.). Für eine Diskussionsveranstaltung bestehen zahlreiche Kontakte zu öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungsorten (ZAZ Bellerive, Architekturforum, Zentralwäscherei) und Journalist*innen (Tagesmedien, Fachmedien).
IMPACT
- Reduktion der Grauen Energie/Emissionen durch Verhinderung von Abriss
- ökologisch rasche Lösungen für energetische Sanierungen statt lange dauernde Neubauprojekte
- sozial nachhaltige Verdichtung (inkl. Verringerung des Flächenverbrauchs)
- soziale Akzeptanz der ökologisch notwendigen Massnahmen im Gebäudebestand
VORGEHEN + OUTPUT
Hannes Reichel sichert Berechnungen in Form von Studierendenarbeiten zu. Darüber hinaus wissen wir aus der Erfahrung der ersten Initiative, dass die Koordination, Aufarbeitung und öffentlichkeitswirksame Publikation einiges an Arbeit kostet. Dies ist der Grund, warum bisher keine weiteren Beispiele mehr umgesetzt werden konnten. Darum fragen wir mit diesem Antrag für eine Förderung dieser Leistungen an. Als Resultat ist zu erwarten:
- ökonomische Berechnungen zu alternativen Szenarien der Siedlung Küngenmatt
- Kommentar zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, inkl. Präzisierung und Weiterbearbeitung der Forderungen
- Aufarbeitung in einer ansprechenden Broschüre + Website (analog zu www.beispiel-bergacker.ch)
- öffentliche Veranstaltung dazu
- Versand der Erkenntnisse an relevante Politiker*innen
UNTERSTÜTZUNG
Falls eine Multiplikation / ein Aufruf zur Teilnahme an der öffentlichen Veranstaltung möglich ist, wäre dies für unser Vorhaben sicher förderlich. Zudem sind wir offen, interessierte Architekt*innen, Nachhaltigkeitsexpert*innen o.Ä. aus dem Netzwerk des FUS-Booster-Teams mit einzubeziehen und/oder uns auszutauschen. Denkbar ist auch ein Feedback auf die Darstellung des Berichts.
Denkbar sind Expertisen zu ökologischen Bau-Berechnungen, Expertise in Wissensaufarbeitung und -vermittlung oder in Eventplanung.
BUDGET
Berechnungsbasis: Tagessatz von 912 CHF (entspricht Stunden-Satz von 114.- CHF)
exkl. MwSt weil der Verein nicht abgabepflichtig ist
Vorbereitung + Overhead: 4 Projekttage = 3'648 CHF
Erarbeitung Dokumentation: 14 Projekttage = 12'768 CHF
Publikation + Öffentlichkeitswirkung: 5 Projekttage = 4'560 CHF
Expert*innen-Gutscheine: 4'000 CHF
TOTAL: 24'976 CHF
Im Diskurs um die sozialökologische Bauwende ist häufig zu hören, «man könne nicht mehr anders bauen als mit Abriss-Neubau». Um ein öffentliches Umdenken anzustossen, müssen Alternativen darum auch an konkreten Fällen aufgezeigt werden. Eine erste Initiative entstand 2022 mit dem Beispiel Bergacker (www.beispiel-bergacker.ch). Daran wollen wir ein zweites Beispiel anschliessen, über die Siedlung Küngenmatt. Wir wollen berechnen, unter welchen Umständen dort ein sozialökologisches Projekt möglich ist.