SOBAWO-Solidarisches Bauen und Wohnen
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: SOBAWO-Solidarisches Bauen und Wohnen
- Date: 9/6/2024 2:32:20 PM
- Administrators:
Project Idea Description
/// Was ist das Problem?
In der Stadt eine bezahlbare Wohnung zu finden ist heute enorm schwierig! Die Wohnungsnot führt zur Verdrängung, die es insbesondere strukturell benachteiligte Menschen erschwert, eine adäquate, leistbare Wohnung innerhalb der städtischen Zentren zu finden. Besonders Geflüchtete und von Diskriminierung betroffene Menschen, sowie Menschen mit einem niedrigen Einkommen haben auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen ein Zuhause zu finden. Gleichzeitig leben diese Personengruppen häufig in schlecht isolierten Gebäuden und sind von den Veränderungen des Klimawandels am stärksten betroffen.
Zudem ist der durch eine mögliche ökologische Bauwende zu erwartende Wohnraum weniger für marginalisierte Gruppen bestimmt, da die Immobilienwirtschaft nach der Logik der Profitmaximierung funktioniert und keinen oder zu wenig bezahlbaren Wohnraum ermöglicht.
Aus unserer Perspektive distanzieren wir (wir als Konsument*innen als auch Nutzer*innen) uns immer stärker von der gebauten Realität. Wir verlieren den Bezug dazu, wie und warum etwas gebaut ist. Wir wissen nicht, woher die Bauteile kommen, wie sie fabriziert wurden, wer sie fabriziert hat und unter welchen Bedingungen. Für eine zukünftig klimaschonende Gesellschaft und nachhaltige Bauwirtschaft ist es entscheidend, das Konsument*innen und Nutzer*innen wieder einen direkten Bezug zur gebauten Realität haben. Dies geschieht direkt über die handwerkliche Aneignung von Raum – im Fall von SOBAWO über den Wohnraum.
/// Was ist SOBAWO?
SOBAWO ist ein schweizweites solidarisches Bau- und Wohnprojekt und Netzwerk, welches klimagerechten und bezahlbaren Wohnraum für strukturell benachteiligte Menschen ermöglichen soll. Bestehende Gebäude werden ressourcenschonend, CO2 neutral und unter der Verwendung von regenerativen Materialien instand gesetzt. Dieser Wohnraum soll nachhaltig verwaltet und dauerhaft bezahlbar sein.
Wir setzen die Nutzungsinteressen der Bewohner:innen in den Fokus. Durch das bauliche Mitwirken wird die Möglichkeit gegeben, den Wohnraum individuell anzueignen und nach den eigenen Bedürfnissen mitzugestalten.
Ziel ist diesen Wohnraum langfristig zur Verfügung zu stellen, indem die Immobilie dem freien Markt entzogen wird. Dazu kann die Immobilie beispielsweise mit Direktkrediten erworben werden oder mit bereits etablierten Akteurinnen für leistbaren Wohnraum, wie Genossenschaften, Stiftungen oder der städtischen Liegenschaftsverwaltung, eine Zusammenarbeit entstehen.
Ergänzend dazu möchten wir uns mit lokalen und solidarischen Gruppen vernetzen, die bereits in diesen Bereichen aktiv sind.
Unser Projekt SOBAWO – das Bereitstellen von bezahlbaren Wohnraum und die Ermöglichung der Mitgestaltung dieses Wohnraums – sehen wir in der Tradition einer Demokratisierung der Gesellschaft und als Teil einer sozialen Infrastruktur, die sich bis auf die städtische Verwaltungsebene hochskalieren lässt.
/// Was haben wir vor?
Wir wollen mit und für strukturell benachteiligte Menschen ein Gebäude (in Zürich) umbauen oder instand setzen, um dadurch leistbaren und klimagerechten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wir möchten in der Förderphase die Machbarkeit eines solchen Vorhabens in der Stadt Zürich prüfen. Uns ist bewusst, da wir alle in Zürich leben und uns beruflich wie privat in unserem Engagement für einen adäquaten Wohnraum für alle und das Recht auf Stadt einsetzen, dass dies ein anspruchsvolles Vorhaben ist. Deshalb möchten wir die Realisierbarkeit eines solchen Projektes, mit Modellcharakter für andere landesweite Vorhaben, prüfen und die Resultate so niederschwellig wie möglich öffentlich zur Verfügung stellen. Wir sehen die Machbarkeitsstudie als Vorbereitung zu unserem nächsten Schritt, konkret ein Umbauprojekt zu realisieren.
Wir möchten unsere Machbarkeitsstudie nach der Fertigstellung öffentlich zugänglich machen und so aufbereiten, dass Erkenntnisse für andere Projekte zur Verfügung stehen. Die Erkenntnisse wollen wir mehrsprachig bereitstellen und grafisch aufbereiten, um eine breite und niederschwellige Multiplizierbarkeit unserer Projektidee zu ermöglichen. Zudem möchten wir die breite Öffentlichkeit für die Projektidee sensibilisieren.
Die Machbarkeitsstudie soll helfen, konkretes Wissen zu erlangen und das nötige Material für die Umsetzung unseres Vorhabens zu erarbeiten. Unsere bisherige Analyse ergab, dass unsere Projektidee aus mehreren Bausteinen besteht, die miteinander in Verbindung stehen.
/// Bausteine
Welche Grundeigentumsstrukturen werden benötigt um bezahlbaren Wohnraum langfristig zu sichern? (Städtisches Grundeigentum, Vergesellschaftung, Kollektiv-Eigentum, Genossenschaften, Stiftungen, Mietshäusersyndikat -> Likedeelerei)
Welche (solidarischen) Finanzierungsmöglichkeiten sind möglich und wie können Anreize für solche Modelle geschaffen werden? (Kredit mit den zu erwartenden Mieten wie bei der Kampagne der Deutsche Wohnen & Co. enteignen, Direktkredite, Schenkungen … )
Wie funktioniert der Wohnungsmarkt im lokalen Kontext und wie kann eine geeignete Bestandsimmobilie gefunden werden? Wie kann mit lokalen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen (Genossenschaften etc.) oder der städtischen Verwaltungsebene zusammengearbeitet werden?
Welche Bedürfnisse haben am Wohnungsmarkt strukturell benachteiligte Personen in ihrem Wohnraum? Wie viele Ressourcen haben sie daran mitzuwirken?
Wie ist klimagerechtes Bauen mit dem Fokus auf Selbstbau in einem kostengünstigen Wohnbauprojekt umsetzbar? Inwieweit können (Selbst)ermächtigung und (Selbst)ausbeutung ausgelotet werden, um solidarisches Bauen in Bezug auf den Planeten und den im Prozess involvierten Personen zu ermöglichen?
Wir möchten Expert*innen-Interviews und öffentliche Gesprächsrunden durchführen, um mehr Erkenntnisse über die oben aufgeführten Bausteine zu bekommen.
/// Bereits realisierte und verwandte Vorhaben
Aspekte unserer Idee wurden schon in anderen Projekten getestet und teilweise haben wir uns mit diesen Initiativen bereits vernetzt.
Das Bellevue de Monaco in München war ein renovierungsbedürftiges Gebäude, das von der Landeshauptstadt München für 40 Jahre an die Sozialgenossenschaft vermietet wurde und 2018 als Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete umgebaut wurde. Während der Instandsetzung wurden geflüchtete Personen in Kooperation mit lokalen Handwerksbetrieben in Berufsausbildungen qualifiziert. Es ist ein Beispiel für die Weiternutzung eines Bestandsgebäudes und für eine kostengünstige Instandsetzung mit besonderer sozialer Nutzung.
Eine weitere zivilgesellschaftliche Initiative (Assembla Sociale per la Casa-ASC) kümmert sich um Leerstand von über 2.000 Wohnungen der öffentlichen Hand in Venedig. Die Wohnungen wurden wieder instand gesetzt und auf eigene Kosten im Selbstbau renoviert.
Wir haben uns mit Gruppen vernetzt, die basierend auf dem Eigentumsmodell des Mietshäuser Syndikats in Deutschland Immobilien erwerben, dem freien Markt entziehen und in eine solidarische Struktur überführt werden. Ein Projekt ist das Syndikat für solidarisches Wohnen, die Likedeelerei in Hamburg. Es werden Wohnungen und Häuser erworben und an Menschen mit erschwerten Zugang zum Wohnungsmarkt vermietet. Der Kauf der Wohneinheiten war durch private Direktkredite möglich. Ein weiteres Projekt welches sich für das Recht auf Wohnen für alle einsetzt ist die Berliner Initiative Wohnraum für alle die Geflüchteten und Migrant*innen leistbaren Wohnraum ermöglicht.
Eine Lokalgruppe, mit der wir bereits zusammengearbeitet haben und vernetzt sind und für SOBAWO von Bedeutung ist, ist Inaya. Inaya ist ein Verein in Zürich und Basel, der sich mit geflüchteten Frauen und genderqueeren Menschen solidarisiert. Inaya unterstützt u. a. Personen bei der Wohnungssuche, indem sie an lokale Netzwerke vermittelt und die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.
/// Wer sind wir?
Das SOBAWO Team setzt sich aus Personen aus Recht auf Stadt, Architektur und Handwerk zusammen mit Erfahrungen über alternative Wohnformen, Instandsetzung und Umnutzung von Bestandsgebäuden und kooperativen Bauprozessen. Wir repräsentieren im Moment nicht die Diversität, welche wir uns für die Umsetzungen dieses Projekt wünschen würden und möchten uns spätestens ab der Realisierbarkeit des Projekts unserer Rolle als InitiatorInnen überdenken und uns für zukünftige Bewohnende öffnen oder bewusst die Entscheidungskompetenzen abgeben.
Das Team für die Startphase setzt sich aus Flora Bühlmann, Katharina Riedl, Ruben Bernegger und Lukas Graf zusammen. Flora hat zusammen mit Katharina und zwei weiteren Personen Bau-Teilen gegründet. Bau-Teilen setzt sich für eine Zukunft ein, in der das Bauen verändert und ganzheitlich gedacht wird. Es ist ein Bauen ohne Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, an dem alle mitwirken können. Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Katharina Riedl ist ausgebildete Architektin und Handwerker*in und hat selbstbestimmten Planungs- und Bauprozessen begleitet und ein grosses Interesse an der Erforschung von Selbstbestimmten Wohnformen. Sie hat den CAS in Housing am Wohnforum der ETH Zürich absolviert und ist Mitglied des Redaktionsteams des Hallenzines. Ihr Fokus liegt auf der konzeptionellen und praktischen Umsetzung des Projekts. Ruben Bernegger ist Architekt und Gründungsmitglied der Architekturgenossenschaft C/O. Er unterstützt Mieter:innen gegen Verdrängung und ist im Mietenplenum.ch aktiv. Flora Bühlmann ist Architektin und Handwerkerin. Bei den Umbauten, die sie realisiert, nimmt sie die Position der Architektin, Bauleiterin und Handwerkerin ein. Sie organisiert Bau-Workshops, bei denen die handwerkliche Selbstermächtigung im Fokus steht. Lukas Graf arbeitet als Architekt, Planer und Bauleiter. Er engagiert sich für den sozialen Wohnungsbau.
/// Expertinnen
Als ExpertInnen stehen uns Carina Sacher vom Wohnforum der ETH Zürich und Pavlina Pavlova vom Institute of Management der FHNW zur Verfügung. Carina Sachers Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Wohnen insbesondere im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit, Prekarisierung und Exklusion. Pavlina Pavlova ist Expertin in der Marktanalyse bestehender Lösungen und würde einen halbtägigen Workshop mit uns durchführen mit dem Ziel, die Realisierbarkeit unserer Idee innerhalb des Marktes zu testen.
/// Zusammenarbeit mit dem FUS-Booster-Team
Wir wünschen uns vom FUS-Booster-Team Feedbackschlaufen und Vernetzung auch um unsere Projektidee soweit wie möglich publik zu machen.
/// Budgetplan
Die Gelder werden hauptsächlich für Honorare verwendet. Einerseits möchten wir eine Machbarkeitsstudie erarbeiten, aber gleichzeitig auch Material generieren, welches wir verwenden können für die zukünftige Umsetzung von SOBAWO.
5’000 CHF fliessen direkt in die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie. Weitere 4’000 CHF sind budgetiert für die Erarbeitung von Textbausteinen, welche SOBAWO verständlich für dritte erklärt. Weitere 3’000 CHF werden in die Grafik von SOBAWO investiert.
Zum Schluss haben wir einerseits eine Machbarkeitsstudie als auch ein visuelles Auftreten für SOBAWO und können mit dem erarbeiteten Material direkt in die Umsetzung übergehen.
SOBAWO möchte Wohnraum solidarisch bauen und solidarisch verwalten. Wir wollen nachhaltig etwas auf dem Schweizer Wohnungsmarkt verändern und bezahlbaren Wohnraum für Menschen, die strukturell benachteiligt werden, erhalten und schaffen.
Dazu wollen wir eine Struktur aufbauen, um Menschen zu ermächtigen, Wohnraum mit zu denken, zu schaffen und im Selbstbau klimagerecht umzubauen. Zudem wollen wir diesen Wohnraum dauerhaft und bezahlbar verwalten.