SmartShare: Akzeptanz und Potenzial von Smart-Lockers für urbane Mietplattformen
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: SmartShare: Akzeptanz und Potenzial von Smart-Lockers für urbane Mietplattformen
- Date: 4/16/2025 5:01:00 PM
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Project Idea Description
Welches grundlegende Problem adressiert ihr? Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für Euren Mainstreaming-Ansatz?
Grundlegendes Problem
Mietplattformen leisten einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und fördern die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern. Ihre gesellschaftliche und ökologische Wirkung bleibt jedoch begrenzt, da sie mit strukturellen Barrieren konfrontiert sind: Hohe Personal- und Mietkosten sowie eingeschränkte Öffnungszeiten machen einen flächendeckenden Betrieb – insbesondere in urbanen Räumen – oft unwirtschaftlich. In zentral gelegenen Stadtgebieten sind die Mieten besonders hoch; verlagern sich die Angebote hingegen an den Stadtrand, sinken Sichtbarkeit und Erreichbarkeit – vor allem für Menschen ohne eigene Mobilität. Die Folge ist eine räumlich und sozial ungleich verteilte Zugänglichkeit.
Zugleich erwarten Nutzer:innen Nähe, Flexibilität und spontane Verfügbarkeit – Anforderungen, die mit den derzeitigen Infrastrukturen kaum vereinbar sind. Die Abhängigkeit von stationären Ausgabestellen und Personal verhindert eine skalierbare, alltagsnahe Nutzung. Dadurch werden Teilhabechancen eingeschränkt und das Potenzial von Sharing-Modellen nicht ausgeschöpft.
Zentrale Hypothese
Um das Nutzungspotenzial und die gesellschaftliche Wirkung von Mietplattformen zu steigern, braucht es flexible und niedrigschwellige Zugangsstrukturen. Unsere Hypothese lautet: Erst durch einen zentraleren und rund um die Uhr verfügbaren Zugang – z. B. über automatisierte Schliessfachsysteme – können Sharing-Angebote ihren gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert entfalten und in die Breite getragen werden
Mainstreaming-Ansatz
Das Projekt adressiert dieses Spannungsfeld mit dem Einsatz intelligenter und automatisierter Schliessfachsysteme (Smart-Lockers). Solche Systeme sind aus dem Logistik- und Einzelhandelsbereich bekannt und ermöglichen eine durchgängig verfügbare Ausleihe und Rückgabe von Objekten – ohne Personal oder Öffnungszeiten. Gesteuert über eine App, können Nutzer:innen Gegenstände reservieren, abholen und zurückgeben – flexibel und selbstbestimmt.
Im Vergleich zu klassischen Ladenflächen benötigen Smart-Lockers deutlich weniger Platz. Dadurch lassen sie sich platzsparend und kosteneffizient auch in zentralen Lagen oder stark frequentierten Quartieren integrieren. Dies eröffnet die Möglichkeit, das Angebot einfach auf weitere Städte oder Stadtteile auszuweiten. Durch den Wegfall personalintensiver Prozesse und die Möglichkeit, Standorte auch in kostenintensiven Lagen wirtschaftlich zu betreiben, entsteht ein skalierbares, sozial gerechtes Geschäftsmodell. Der einfache Zugang senkt Nutzungsbarrieren und erweitert die Zielgruppe.
Forschungsprojekt
Um die oben formulierte Hypothese zu überprüfen, untersucht das geplante Forschungsvorhaben, inwieweit der vorgeschlagene Ansatz von potenziellen Nutzer:innen akzeptiert wird und welche konkreten Bedürfnisse, Erwartungen und Nutzungshürden bestehen.
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für ein fundiertes Konzept eines Pilotbetriebs und liefern wertvolle Erkenntnisse für eine ressourcenschonende und zielgerichtete Konzeption automatisierter Mietlösungen.
Langfristige Fragestellungen – etwa zur Tragfähigkeit des Modells bei Vandalismus, Wartung oder technischen Störungen, zum Aufbau von Vertrauen durch Haftungs- und Qualitätssicherungsmechanismen sowie zur Übertragbarkeit in andere Nutzungskontexte – werden als wichtige Anschlussfragen betrachtet und in späteren Projektphasen vertieft.
Soziale Innovation bedeutet für uns der Versuch alltägliche Gewohnheiten, die von vielen Menschen in einer Gesellschaft geteilt werden, zu verändern oder neu zu gestalten (z.B. unsere gewohnte Arten und Weisen zu reisen, zu wohnen, uns zu ernähren etc.). Welche Gewohnheiten möchtet Ihr durch welchen Ansatz wie verändern oder mainstreamen?
Unsere soziale Innovation zielt darauf ab, etablierte Konsumgewohnheiten – insbesondere den reflexhaften Kauf von selten genutzten Gegenständen – durch gemeinschaftliche und flexible Nutzung zu ersetzen. Viele Menschen besitzen Produkte, die sie nur gelegentlich benötigen, wie z. B. Bohrmaschinen, Zelte oder Hochdruckreiniger. Mit einem System aus intelligenten, rund um die Uhr zugänglichen Schliessfächern, kombiniert mit einer nutzerfreundlichen App, machen wir das Ausleihen so einfach wie das Bestellen eines Pakets. Die selbstständige Abholung und Rückgabe an zentraler Lage, unabhängig von Personal oder Öffnungszeiten, senkt Nutzungshürden und macht das Konzept von „Nutzen statt Besitzen“ sichtbar und alltagstauglich.
Wer wird vom Mainstreamen profitieren und wie?
Private Nutzer:innen erhalten einfachen, kostengünstigen und flexiblen Zugang zu einer Vielzahl von Objekten – ortsnah und spontan, ohne den Aufwand für Lagerung oder Wartung. Durch die Vorstudie fliessen die Bedürfnisse potenzieller Nutzender frühzeitig in die Gestaltung eines zukünftigen Angebots ein. Ergänzend werden auch Kommunikationsbedürfnisse und geeignete Wege der Ansprache erhoben, um bestehende und neue Zielgruppen gezielt zu sensibilisieren und auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Sharing-Anbieter können ihr Geschäftsmodell effizient skalieren, neue Standorte erschliessen und gleichzeitig die Betriebskosten senken – ein wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Die Vorstudie liefert ihnen fundierte Daten zur Akzeptanz und Optimierungspotenzialen.
Gesellschaft und Umwelt erfahren einen geringeren Ressourcenverbrauch, reduzierte Neuanschaffungen und einen Wandel hin zu kooperativen Konsumformen. Die Vorstudie bereitet die Skalierung von Sharing-Modellen vor, was mittel- bis langfristig zu einer Reduktion von Konsum, Emissionen und Flächenverbrauch beitragen kann.
Quartiere und Städte profitieren von einer innovativen Nutzung des öffentlichen Raums durch gemeinschaftliche Objekt-Nutzung. Die Vorstudie liefert wertvolle Erkenntnisse zur Integration innovativer Sharing-Angebote in den urbanen Raum, die nicht nur als praktische Services, sondern auch als Begegnungsorte und Gemeingüter fungieren können. Darüber hinaus tragen diese Angebote zur Erreichung der Klimaziele von Städten und Gemeinden bei, indem sie den Bedarf an neuen Ressourcen und Infrastrukturen verringern. Kantonale Planungen (z. B. Arealentwicklungen, Mobilitätsstrategien) werden im Sinne einer kontextuellen Einbettung mitgedacht, auch wenn sie nicht Teil des direkten Untersuchungsumfangs sind.
Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?
Im Projekt arbeiten die Forschungs- und Umsetzungspartner eng zusammen, um eine wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisorientierte Studie zu entwickeln. Das Projektteam setzt sich aus folgenden Personen und Organisationen zusammen:
- Prof. Dr. Nina Tobler, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW: Konsum- und Umweltpsychologin mit Expertise in Nutzer:innenforschung, nachhaltigem Konsum und Sharing-Ökonomie. Sie ist verantwortlich für Konzeption, Durchführung und Auswertung der Vorstudie.
- Mirco de Savelli, Gründer und Besitzer von Circular Lugano: Betreiber einer etablierten Mietplattform mit breitem Angebot und bestehender Kund:innenbasis. Er bringt wertvolle Markteinblicke, Zugang zu relevanten Daten und Zielgruppen sowie operatives Know-how in das Projekt ein.
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Der Einsatz von Smart-Lockern im Bereich von Mietplattformen stellt eine innovative Weiterentwicklung bestehender Sharing-Modelle dar. Während Smart-Locker-Systeme bereits erfolgreich im Logistikbereich eingesetzt werden, ist ihre Anwendung im Bereich von Miet- und Verleihdiensten bislang kaum untersucht. Das Projekt zielt darauf ab, in einem ersten Schritt die Perspektive potenzieller Nutzender zu analysieren, um Erkenntnisse zur Umsetzbarkeit und Erfolgspotenzialen dieses Ansatzes zu gewinnen.
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten (z. B. Test-Mainstreaming, Machbarkeitsstudie, Entwicklung eines klimagerechten Geschäftsmodells, Bau eines ersten Prototyps, usw.)? Was erhofft ihr, werdet ihr am Ende des Boosters konkret erreicht haben?
Ziel des Boosters
Die Entwicklung eines Smart-Locker-Systems für Mietobjekte ist mit hohen Investitions- und Entwicklungskosten verbunden (ca. CHF 20'000 pro Smart-Locker und ca. CHF 20'000 für die Entwicklung der App). Vor einer möglichen Umsetzung soll daher im Rahmen einer Machbarkeits- und Akzeptanzstudie geprüft werden, wie das System von potenziellen Nutzer:innen angenommen wird und welche Anforderungen sie an das Angebot stellen. Diese frühzeitige Bedarfsabklärung soll sicherstellen, dass das System zielgruppen- und bedarfsgerecht entwickelt wird, um Ressourcen effizient einzusetzen und die Chance auf eine erfolgreiche Implementierung zu maximieren.
Forschungsfragen
Die Vorstudie adressiert folgende zentrale Fragestellungen:
- Für welche Objekte eignet sich die automatisierte Ausgabe über Smart-Lockers besonders?
- Welche Anforderungen stellen Nutzer:innen an App und Schliessfachsystem (z. B. Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit, Echtzeitinformationen)?
- Welche Erwartungen bestehen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung?
- Welche potenziellen Barrieren oder Vorbehalte existieren?
- Besteht ein Bedarf an nicht-digitalen Zugangswegen (z. B. ohne App, direkt am Schliessfach), um digitale Barrieren zu überwinden und die Nutzung inklusiv zu gestalten?
Methodik
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird ein qualitatives Design gewählt. In 12–15 leitfadengestützten Interviews (je ca. 60 Minuten) werden die Bedürfnisse und Erwartungen der (potenziellen) Nutzer:innen erfasst. Um realitätsnahe Reaktionen zu ermöglichen, kommt Stimulusmaterial zum Einsatz – etwa Visualisierungen eines möglichen Smart-Locker-Prototyps sowie der zugehörigen App.
Stichprobe
Die Zielgruppe umfasst urbane Bewohner:innen, die entweder bereits Mietplattformen nutzen oder grundsätzlich offen für das Konzept sind. Die Rekrutierung erfolgt über den Kundenstamm des Umsetzungspartners sowie über das Netzwerk des Projektteams. Durch Quoten-Sampling stellen wir sicher, dass unterschiedliche Nutzergruppen vertreten sind – insbesondere Studierende und Haushalte mit geringem Einkommen. So können vielfältige Perspektiven, etwa zu Erwartungen an Preismodelle, erfasst werden.
Erhofftes Ergebnis
Am Ende des Boosters erwarten wir ein fundiertes Verständnis dafür, wie der vorgeschlagene Ansatz von Nutzer:innen angenommen wird und welche konkreten Anforderungen er im Alltag erfüllen muss. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die nutzerzentrierte Entwicklung eines Prototyps sowie eines skalierbaren Geschäftsmodells. Dieses soll im Rahmen eines Folgeprojekts – etwa mit Unterstützung von Innosuisse – im realen Pilotbetrieb erprobt und gezielt weiterentwickelt werden.
Nutzen und Perspektiven
Die Vorstudie schafft eine fundierte Entscheidungsbasis für einen möglichen Pilotbetrieb und liefert zentrale Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Konzepts. Langfristig kann das Modell den Zugang zu Mietplattformen vereinfachen, neue Nutzer:innengruppen erschliessen und den Betrieb ressourcenschonender sowie wirtschaftlich tragfähiger gestalten. Darüber hinaus sind die Ergebnisse auch für andere Akteure der Sharing Economy relevant: Das entwickelte Konzept ist auf vielfältige Nutzungskontexte übertragbar – etwa auf Bibliotheken, Werkzeugverleih oder soziale Tauschbörsen – und leistet damit einen Beitrag zum Aufbau zukunftsfähiger, gemeinschaftlich genutzter Infrastrukturen im urbanen Raum.
Was erhofft ihr Euch von dem Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partner:innen (wenn ja, wem?), Verknüpfung mit der Verwaltung usw.)?
Wir erhoffen uns vom Booster einerseits finanzielle Unterstützung bei der Durchführung der Vorstudie. Darüber hinaus sehen wir grosses Potenzial in der fachlichen Begleitung – insbesondere bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells und eines skalierbaren Pilotkonzepts. Ebenso wichtig ist für uns der Zugang zu einem Netzwerk von Praxispartner:innen, Städten oder Gemeinden, die an innovativen Sharing-Lösungen interessiert sind. So kann das Vorhaben gezielt weiterentwickelt und in bestehende urbane Strukturen eingebettet werden.
Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?
Unser Team vereint bereits zentrale Kompetenzen: Praxiserfahrung als Betreiber einer Mietplattform sowie sozialwissenschaftliche Expertise im Bereich Nutzer:innenforschung und nachhaltiger Konsum. Für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells (z. B. Kalkulation von Mietkosten, Skalierungsstrategien) sowie für die Konzeption eines Prototyps erhoffen wir uns Coaching und gezieltes Feedback von Expert:innen mit Erfahrung in Business Development, Service Design oder technischer Umsetzung.
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was (maximal CHF 22’500 inkl. Expert:innen-Gutscheine)?
Für das Projekt beantragen wir den Maximalbetrag von CHF 19'000. Die Mittel sind für die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Interviews sowie die Ableitung eines fundierten Konzepts für ein Smart-Locker-System inklusive App vorgesehen.
Die Aufteilung im Projektteam ist wie folgt geplant:
- FHNW: CHF 16'000 für Methodenentwicklung, Erstellung des Interviewleitfadens, Durchführung und Auswertung der Interviews, Berichterstattung sowie Mitwirkung bei der Konzeptentwicklung.
- Circular Lugano: CHF 3'000 für die Rekrutierung von bestehenden Nutzer:innen, praxisnahe Unterstützung bei der Entwicklung des Leitfadens und bei der Erarbeitung des Konzepts.
Zusätzlich planen wir mit Coaching-Gutscheinen im Wert von CHF 3'500, um gezielt Expertise in den Bereichen Geschäftsmodellentwicklung, technisches Prototyping und Service Design beizuziehen.
In diesem Projekt entwickeln wir ein neues Konzept, bei dem Mietobjekte über sogenannte Smart-Locker – also intelligente Schliessfächer – automatisch zugänglich gemacht werden. Dies ermöglicht eine flexible Nutzung rund um die Uhr und senkt Platz- und Betriebskosten. In einer Vorstudie werden die Erwartungen und Wünsche der Nutzer:innen untersucht. Die Ergebnisse bilden die Basis für ein bedarfsgerechtes Pilotmodell, das sich leicht skalieren lässt und sowohl der Gesellschaft als auch der Umwelt zugutekommt.