Landwirtschaft der Zukunft - Essbarer Agroforst
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: Landwirtschaft der Zukunft - Essbarer Agroforst
- Date: 4/28/2025 12:15:48 PM
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Project Idea Description
Welches grundlegende Problem adressiert ihr? Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für Euren Mainstreaming-Ansatz?
In urbanen Räumen geht der direkte Bezug der Menschen zur Herkunft ihrer Nahrungsmittel und zur natürlichen Umwelt zunehmend verloren. Gleichzeitig steht die Landwirtschaft unter Druck, ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragfähige Modelle zu entwickeln. Es fehlt an integrativen Ansätzen, die sowohl den Zugang zu lokal produzierten Lebensmitteln als auch die Verbindung zur Natur stärken – und dabei eine nachhaltige Bewirtschaftung sicherstellen.
Komplexe Agroforstsysteme gelten als zukunftsweisende Form der Landwirtschaft, sind in der Praxis jedoch noch wenig verbreitet – vor allem, weil sie wirtschaftlich schwer einschätzbar sind und viel Wissen erfordern. Es fehlt an konkreten, praxisnahen Umsetzungsbeispielen, die zeigen, wie solche Systeme in die Landwirtschaft sinnvoll integriert und wirtschaftlich betrieben werden können. Ebenso fehlt es an Bildungsprogrammen in Schul- und Forschungskurrikulum, die Wege zu klimagerechten Landwirtschaftsformen aufzeigen.
Die SoLaWi Meh als Gmües bietet ideale Voraussetzungen, um genau das zu erproben: Dank der Nähe zum Zentrum Zürichs, einer schon bestehenden Direktvermarktung mit starker Kundenbindung und dem Anspruch, gleichzeitig Produktionsstätte und Bildungsort zu sein, kann ein solches System bei Ihnen als Reallabor für eine zukunftsfähige Landwirtschaft Wirkung entfalten.
Soziale Innovation bedeutet für uns der Versuch alltägliche Gewohnheiten, die von vielen Menschen in einer Gesellschaft geteilt werden, zu verändern oder neu zu gestalten (z.B. unsere gewohnte Arten und Weisen zu reisen, zu wohnen, uns zu ernähren etc.). Welche Gewohnheiten möchtet Ihr durch welchen Ansatz wie verändern oder mainstreamen?
Wir möchten die Gewohnheit verändern, unhinterfragt günstiges Essen aus dem Supermarkt zu konsumieren, ohne Bewusstsein über dessen Herstellungsbedingungen.
Wir möchten die Gewohnheit verändern, „Naturräume“ bzw. Agrarflächen als getrennt vom Menschen zu betrachten, die (Agrar-) Landschaft lediglich als „rekreativen Raum“ wahrzunehmen und nicht als Arbeitsraum von anderen Menschen und Lebensraum von vielen anderen Organismen.
Wir wollen eine Möglichkeit schaffen, die Herstellung von Lebensmitteln mit Spass, Gemeinschaftsgefühl und Naturerlebnis zu konnotieren.
Wir möchten erproben, wie die Herstellung von Nahrungsmitteln in ansprechenden, biodiversen Landschaften stattfinden kann, ohne Umweltschäden (wie extreme Erosion, Dürre und Nährstoffauswaschung) zur Folge zu haben.
Wer wird vom Mainstreamen profitieren und wie?
Hauptprofiteurin des Projektes ist die lokale Bevölkerung, für die ein innovatives, ästhetisch ansprechendes Waldgartensystem zur Verfügung gestellt wird, in welchem Natur und Landwirtschaft im wahrsten Sinne „begriffen“ werden kann. Sie profitiert auch von geplanten Bildungsangeboten und Kursen, welche zu verschiedenen Themen veranstaltet werden können ( z.B. Obstbaumschnitt, Wassermanagement, Dauerkulturenanbau etc.). Ebenso profitieren Forschungsinstitute, welche zusammen mit den Koordinator:Innen von Meh als Gmues und dem FiBL angewandte Forschungsprojekte betreiben können sowie interessierte Schulen, für die das Bildungsangebot im Agroforstsystem eine praxisnahen Einblick in nachhaltige Lebensmittelproduktion und Naturerfahrung anbietet. Andererseits werden die Mitglieder der SoLaWi davon profitieren, da sie langfristig ein breiteres Angebot an Nahrungsmitteln erwarten können. Schliesslich profitiert auch Grün Stadt Zürich und landwirtschaftliche Betriebe aus dem Umfeld, welche diese Fläche als Vernetzungs- und Lernort nutzen können und anhand derer weitere Projekte dieser Art geplant werden können.
Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?
Initiatorin des Projektes ist Laura Vetter (Masterstudentin an der ZHAW und FiBL), welche die Koordination der Bildungsarbeit und die Ausarbeitung des Designs für den Agroforst gemeinsam mit der Leitung von Meh als Gmües plant. Forschungspartner ist das FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), welches das Vorhaben ideell und fachlich unterstützt. Eine Kooperation mit der ETH bzw. ZHAW zur Forschung ist zur Zeit in Bearbeitung. Ausführende Partnerin für die ab 2026 geplante Pflanzung ist die Genossenschaft Meh als Gmües bei Zürich. Die Grün Stadt Zürich ist gleichzeitig Verpächterin der Flächen und eine wichtige Kollaborateurin für die Organisation der langfristigen Bewirtschaftung der Fläche.
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Die Minga von Meilen (SoLaWi mit Selbsterntekonzept), verfügt über ein ähnliches Agroforstsystem mit diversen essbaren mehrjährigen Stauden und Gehölzen. Es ist jedoch nur für die Mitglieder der SoLaWi bestimmt und steht nicht als offen zugängliches Projekt mit Bildungsangebot zur Verfügung. Weiterhin gibt es das Waldgartenprojekt vom Grünhölzli in Zürich, dieses ist allerdings noch in den Kinderschuhen und nicht primär auf landwirtschaftliche Produktion ausgerichtet, wie es bei unserem Projekt der Fall sein wird. Erfahrungen vom Grünhölzli zeigen, dass die gründliche Planung von Infrastruktur und Bepflanzung viel Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen kann, sich diese aber auszahlt.
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten (z. B. Test-Mainstreaming,
Machbarkeitsstudie, Entwicklung eines klimagerechten Geschäftsmodells, Bau eines ersten Prototyps, usw.)?
Während des Boosters soll die Möglichkeit für die Umsetzung des Agroforstsystems und der begleitenden Bildungsarbeit geprüft werden. Dazu wird
- ein konkretes Dossier für die Anlage des Systems ausgearbeitet, inklusive Pflanzdesign und Budgetplanung (für Infrastruktur, Pflanzmaterial und Ausführungskosten)
- Kooperationen für längerfristige Bildungsangebote mit Schulen und Forschungsinstitutionen vorbereitet
- Ein Konzept der langfristigen Bewirtschaftung der Agroforstanlage gemeinsam mit der Stadt Zürich ausgearbeitet
Was erhofft ihr, werdet ihr am Ende des Boosters konkret erreicht haben?
Eine Pflanzung des Systems ist vor Mitte des nächsten Jahres (2026) unrealistisch, da diese zwingend eines gesicherten Bewirtschaftungskonzept bedarf. Um die Erarbeitung dieses Konzepts soll es im Booster hauptsächlich gehen. Am Ende des Boosters soll somit
- das konkrete Design für das Agroforstsystem samt klarem Handlungsplan für den Aufbau und die Pflanzung 2026 ausgearbeitet sein sowie
- ein Bildungsprogramm (mögliche Führungen für Schulen, sowie eine Kooperation mit mindestens einer Hochschule) feststehen und schliesslich
- die Finanzierung für die langfristige Bewirtschaftung des Agroforstsystems stehen, welche gemeinsam mit der Stadt ausgehandelt wird
Es ist ausserdem angestrebt, dass die erste öffentliche Veranstaltung bei Meh als Gmües zum Thema „Komplexe Agroforstsysteme gemeinsam umsetzen“ im Herbst 2025 stattfindet.
Was erhofft ihr Euch von dem Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partner:innen (wenn ja, wem?), Verknüpfung mit der Verwaltung usw.)? Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?
Allgemein wäre eine Kooperationen mit Akteuren hilfreich, die Verbindungen in die Natur- und Umweltbildung haben, und sich bereiterklären, der Ausarbeitung des Bildungsprogramms beratend zur Seite zu stehen. Die Budgetplanung für die benötigten Bauarbeiten und Pflanzungen werden von der Initiantorin und Mehr als Gmües gemeinsam übernommen. Falls es nötig sein sollte, einen Verein zu gründen, um die Projektplanung und der langfristigen Bewirtschaftung sicherzustellen, wäre es ebenso hilfreich, eine(n) Expert:In zum Thema Gründung zu Rate zu ziehen.
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was (maximal CHF 22’500 inkl.
Expert:innen-Gutscheine)?
Für dieses Projekt sind 22 500 Fr. insgesamt geplant. Dabei ist folgende Kostenverteilung angedacht:
- Für das Erstellen eines Dossiers „Anlage und Pflanzung des essbaren komplexen Agroforstsystems“ in Absprache mit Grün Stadt Zürich, Meh als Gmües und dem FiBL - 8000 Fr.
- für das Erstellen eines konkreten Bildungskonzepts im Agroforst (Führungen von Schulklassen, Kooperation mit Fachhochschulen und Unis) sowie die Koordination der Forschungs- und Bildungsarbeit - 7500 Fr.,
- für die Ausarbeitung eines Konzepts für langfristig geregelten Unterhalt des Agroforstsystems 7000 Fr.
Unser Vorhaben beinhaltet die Umwandlung eines Ackers, der bisher als Gemüsebeet genutzt wurde, in ein innovatives Agroforstsystem. Dieses System kombiniert den Anbau von Obst- und Beerensträuchern mit Gemüsekulturen zwischen den Baumreihen. Durch die Integration von Wildgehölzen schaffen wir natürliche Habitate, die die Biodiversität fördern und gleichzeitig einen effektiven Schutz gegen Wassererosion bieten. Dieses Projekt soll eingebettet sein in die Vermarktung einer SoLaWi und gleichzeitig Raum bieten für Forschung und Bildung im Bereich Ernährung und Biodiversität.