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«Widerstand als Ressource»: Wie aus einem Shitstorm breit abgestützte Lösungen entstehen

Project Idea Metadata

Project Idea Description

Welches Problem möchtet ihr lösen?​ Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für die Idee?

In urbanen Infrastrukturprojekten zeigt sich nicht selten Widerstand «zur Unzeit»: Beispielsweise dann, wenn grundlegende Opposition erst (oder wiederholt) als Einsprachen in der Bewilligungsphase zum Vorschein kommt – und die Umsetzung dringend benötigter Infrastruktur massiv verzögert und verteuert. Diese zum Teil ritualisierten und etablierten Reaktionen stellen ein wichtiges Skalierungshindernis von (Infrastruktur-)Projekten dar. Auch «Pop-Up-Projekte», kleinere Pilotierungen in Quartieren (beispielsweise Superblock-Tests, Ausbau von Velorouten inkl. Aufhebung von Parkplätzen, Privilegierung von Langsamverkehr, Entsiegelung etc.) stehen enorm unter Druck und grosser öffentlicher Beobachtung. Übergeordnete politische Ziele (wie die Minimierung des motorisierten Individualverkehrs, Absenkung der Emissionen etc.) scheinen in vielen solcher Vorhaben entlang den verschiedenen Planungs- und Umsetzungsphasen immer weniger priorisiert zu werden.

Wir nehmen wahr, dass Behörden gerade in Projekten zu nachhaltiger Mobilität zunehmend präventiv und defensiv agieren – mit der Gefahr, dass besonders Innovative Konzepte und Ideen durch Befindlichkeiten, fehlende Akzeptanz und Widerstandsaktivitäten (oft kleiner Gruppen) schrittweise zurückgebunden werden. Die Folgen sind Ergebnisse, die weit hinter den politischen Zielen und tatsächlicher Machbarkeit zurückliegen, und nicht wirklich zufriedenstellen wollen. Widerstand, in seinen verschiedenen Ausdrucksformen, stellt somit ein zentrales Hindernis nachhaltiger Stadtentwicklung dar – auch, weil in heutigen Planungs- und Realisierungsprozessen eine implizite Vermeidungshaltung gegenüber Widerstand zu beobachten ist.

Wie trägt die Idee zur Lösung des Problems bei?

Wir möchten Widerstand nicht länger vermeiden, sondern ihn zu einer «normalen» Ressource in der Projektentwicklung transformieren. Dafür wollen wir unseren Werkzeugkoffer erweitern und partizipative Formate (weiter-)entwickeln, die Projektgegner:innen direkt (und dabei möglichst frühzeitig) miteinbeziehen. Das so gewonnene Wissen über Widerstand (wie Ängste, Bedürfnisse oder Absichten) können wir so im weiteren Projektverlauf produktiv nutzen, um tragfähige und umsetzbare Lösungen zu entwickeln – und dabei nachhaltige Mobilitäts- und Stadtentwickungsziele hochhalten. Häufig äussert sich Widerstand zuerst leise (z.B. durch Rückzug, Skepsis, Gerüchte). Wenn Behörden bereits hier aktiv hinhören, können die Erkenntnisse aus diesen Zwischentönen integriert werden.

Und auch wenn es dann richtig «kracht»: Shitstorms im Sinne von emotional aufgeladenen, teilweise massiven Wellen öffentlicher Empörung, und damit einhergehenden Konflikten zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen, sollen als Grundlage für wirksamere und gerechtere Entscheidungen betrachtet werden. Wenn Behörden, Planungs- und Umsetzungsinstanzen sensibilisiert sind und die (psychologischen) Mechanismen von Widerstand kennen, können sie gelassen(er), neugierig(er) und konstruktiv(er) mit Widerstand aus der Bevölkerung umgehen. So werden Ziele von nachhaltiger, partizipativer Raum- und Quartiersentwicklung einfacher umsetzbar.

Für die erfolgreiche Anwendung in der Praxis braucht es neben dem erwähnten Bewusstsein auch eine konkrete Weiterentwicklung partizipativer Methoden und Bürger:innen-Beteiligung (digital und analog) zum Miteinbezug von Widerständen (inkl. Kommunikation, Moderation und Facilitation). Es geht nicht darum, es allen «recht» machen zu wollen, sondern um ein frühzeitiges Aufdecken möglichst unterschiedlicher Perspektiven auf das Projekt, das Sichtbarmachen von Spannungsfeldern und ein Fördern des gegenseitigen Verständnisses – im Wissen, dass es die perfekte Lösung nicht gibt und dass mutige Stadtentwicklung umso wichtiger ist.

Dabei werden die folgenden Fragen mit Blick auf geeignete Lösungsansätze adressiert: Wann und wie können Widerstände möglichst gut abgeholt werden? Wie kann die vorhandene Energie und das Wissen, statt in Widerstand zu fliessen, gezielt genutzt werden, um Projekte für die Gesellschaft «besser» (d.h. nachhaltiger und zukunftsfähiger für alle Anspruchsgruppen) zu machen?

Wer wird von der Lösung profitieren und wie?

Betroffene und Bevölkerung: Für die Planung und Umsetzung relevante Ressourcen (wie Ideen, Wissen, Bedürfnisse, Haltungen, Ängste) fliessen früher und umfassender in die Lösungsansätze ein. Diese frühzeitige Integration führt zu einem besseren Resultat für alle. Denn: Wer sich wehrt, hat Interesse.

Planer:innen: Der Miteinbezug von Widerständen erlaubt es, ein Projekt von Anfang an bedürfnisgerechter zu planen – und erleichtert die Umsetzung durch eine breitere Abstützung. Gerade kritische Stimmen bringen oft lokales Wissen, Alltagsbezug und Realismus mit.

Behörden: Die aktive Berücksichtigung verschiedener (auch widersprüchlicher) Perspektiven ermöglicht ein behördliches Handeln nahe an der Bevölkerung und kann die Akzeptanz steigern. Eine ggf. politisch gefärbte Haltung der Behörden wird nuanciert, was zur Schwächung der Konfliktlinien zwischen Teilen der Bevölkerung und der Behörden führt. Es wird zudem einfacher für Behörden, Innovationen mutiger umzusetzen. Der Ansatz bietet dabei auch eine Erweiterung des methodischen Werkzeugkastens und der Fähigkeiten der Mitarbeitenden, proaktiv(er) mit Widerstand umzugehen und diesen als Chance umzudeuten.

Politik: Das Erreichen übergeordneter politischer Ziele (z. B. Klimaschutz, gesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele) bleibt durch den proaktiven Umgang mit den Anspruchsgruppen im Blick – und der Spielraum für Innovationen damit bestehen. (Politisches) Engagement und Interesse der Bevölkerung wachsen durch ein verstärktes «Ernst-genommen-werden». Dies kann auch die Akzeptanz der politischen Zielsetzungen erhöhen. Eine Signalwirkung für andere Regionen ist ebenfalls möglich: Basel kann sich als Vorreiterstadt für mehr bedürfnisorientierte, zukunftsfähige Lösungsansätze positionieren.

Übergeordnet / alle Anspruchsgruppen: Das Risiko von Einsprachen, Totalblockaden oder gar dem Scheitern wegweisender Stadtentwicklungsprojekte kann minimiert werden. Potenzial für Synergien wird besser erkannt und genutzt. Im besten Fall können gar bedeutende Zeit- und Kostenersparnisse generiert werden. Wenn Menschen spüren, dass ihre Einwände verstanden werden, ihr Wissen genutzt und ihre Werthaltungen gehört werden, entsteht Vertrauen. Dann fliesst Energie nicht mehr in Ausbremsen, sondern in Mitgestaltung und damit in robustere und nachhaltigere Projekte.

Lebensraum Stadt Basel: Letztendlich geht es bei der Förderung kurzer Wege darum, lebenswerten urbanen Stadtraum für eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

Wie trägt die Idee zum Ziel der Klimagerechtigkeit bei?

Das angestrebte Ziel von Netto-Null und die Idee der Klimagerechtigkeit haben stark polarisierenden Charakter. Die (psychologischen) Mechanismen hinter dieser Polarisierung zu verstehen, ihnen gelassen zu begegnen und sie nutzbar zu machen für den nächsten transformativen Schritt, das an sich kann dem genannten Ziel dienen. Ganz konkret sorgen die Raum- und Quartiersentwicklung sowie die Stadtplanung für eine nachhaltige Entwicklung des urbanen Lebensraums: für mehr Lebensqualität in wachsenden Städten, verbunden mit Zielen wie der «10-Minuten-Stadt», der Priorisierung des Langsamverkehrs und Förderung (unter Berücksichtigung Prinzipien resilienter Städte bei der konkreten Planung, wie Hitzevorsorge, Schwammstadt-Prinzip, Flächensuffizienz / Nachverdichtung, Biodiversität oder nachhaltigem Bauen). Dies impliziert das Ernstnehmen vielfältiger Bedürfnisse, strukturellen Rahmenbedingungen und langfristigen Zielen. Arbeit und Freizeit, Wohnen und Ernährung, Mobilität, private und öffentliche Räume sind Themenfelder, die es in Einklang zu bringen gilt, um eine zukünftige «Stadt der kurzen Wege» zu entwickeln. Durch den proaktiven und frühzeitigen Miteinbezug verschiedener Perspektiven und insbesondere kritischer Stimmen, erhöht sich die Chance, dass wir auch für besonders verwundbare oder marginalisierte Anspruchsgruppen (z. B. in sozio-ökonomisch schwächeren Quartieren) mitplanen.

Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?

Kompetenzen von TBF + Partner (TBF)

Als Praxispartner bringt TBF ihre breit abgestützten Kompetenzen im Bereich der Konzeption, Planung und Umsetzung komplexer Infrastruktur-, Mobilitäts- und Raumplanungsprojekte mit (inkl. Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung und nachhaltiges Bauen). Diese Projekte begleitet TBF in unterschiedlichen Rollen: Von der Bauherrenunterstützung, Gesamtplanung und –Projektleitung, über die Kommunikation und Beratung, bis hin zur multidisziplinären Drehscheibe zwischen Behörden, Umsetzungspartnern, Bevölkerung und Politik.

Kompetenzen der HSLU

Als Forschungspartner bringt die HSLU hochaktuelles Wissen und fundierte Expertise ein in den Bereichen Change Management, Change Leadership, Lösungsfokussiertes Coaching, Psychologie (d.h. Umgang mit Autonomiebedürfnissen, Macht, Kommunikationspsychologie usw.), Konfliktforschung, Resilienz-Management, Mediation, Schlichten und Verhandeln (https://www.hslu.ch/de-ch/wirtschaft/weiterbildung/cas/ibr/cas-schlichten-und-vermitteln/), Grossgruppenmoderation/partizipative Verfahren in der öffentlichen Verwaltung/in Regionen (u.a. bei Gemeindefusionen, Erschliessung von Windenergiegebieten), Kreativitäts- und Innovationsworkshops sowie Angewandte Zukunftsforschung (Foresight). 

Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?

Unsere hier vorgestellten Ideen haben wir so noch nicht getestet. Wir bringen jedoch jahrelange Praxiserfahrung mit Infrastrukturprojekten, nachhaltiger Mobilität und Stadtentwicklung sowie insbesondere deren Bewilligungsprozessen mit, die in der hier beschriebenen Projektidee münden – inklusive der Ernüchterung, wenn Widerstände (zu spät) sichtbar oder erkannt werden und ganze Projekte oder deren volles Potenzial gefährden.

Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten (z.B. Machbarkeitsstudie, Entwicklung eines klimagerechten Geschäftsmodells, Bau eines ersten Prototyps, Test-Mainstreaming usw.)? Was werdet ihr am Ende des Boosters liefern?

Mit der vorgestellten Projektidee machen wir uns auf einen gemeinsamen Innovationsprozess: Wir entwickeln mögliche Vorgehenskonzepte und Prototypen für den produktiven Umgang mit Widerständen. Wir fokussieren uns dabei auf Möglichkeiten zum frühzeitigen Sichtbarmachen und Integrieren dieser Widerstände und gestalten dafür partizipative Bausteine wie «Shitstorm-Workshops» (als analoge Veranstaltungen, mit digitalem Zwilling oder ganz digital), passende Templates oder Leitlinien und Gestaltungsansätze für konfliktreiche Mobilitäts-/Stadtentwicklungsprojekte. Vorstellbar wäre beispielweise, dass etablierte Change- und Moderations-Modelle/Demokratisierungsinitiativen auf die skizzierten Kontexte übertragen und damit nutzbar gemacht werden könnten. Erfahrungen aus anderen politischen Zusammenhängen und anderer Städte und Regionen können ebenfalls einfliessen.

Während der Laufzeit des Boosters wollen wir mindestens einen kleinen Prototyp eines «Shitstorm-Workshops» erarbeiten und in einem unserer aktuellen Infrastrukturprojekte testen. Als Endprodukt sehen wir die Dokumentation des Prototyps sowie ein Veranstaltungskonzept oder einen Leitfaden vor, der von Behörden und anderen Projektbeteiligten weiter erprobt, angewandt und weiterentwickelt werden kann. Denkbar ist alternativ auch die Entwicklung eines Weiterbildungsmoduls, welches für Projektverantwortliche zur Verfügung gestellt wird, damit sie einen «Shitstorm-Workshop» erfolgreich durchführen können – inklusive dessen fachliche und methodische Einbettung.

Was erhofft ihr Euch von dem Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partner:innen, Expert:innenunterstützung usw.)?

Wen brauchst du als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?

Wie viel Budget fordert ihr von uns für was? (maximal CHF 19’000 + CHF 3’500 für Expert:innen-Gutscheine )

CHF 19’000 + CHF 3’500 für Expert:innen-Gutscheine

Infrastrukturprojekte polarisieren. Wie können wir diesen Widerstand gegen Veränderungen im öffentlichen Raum sinnvoll nutzen? Wir sind überzeugt davon, dass der direkte Einbezug von Projektgegner:innen wertvolles Wissen generiert – so werden Lösungen entwickelt, die belastbar und besser auf die Bedürfnisse der direkt Betroffenen zugeschnitten sind. Genau dafür möchten wir partizipative Verfahren wie «Shitstorm-Workshops» oder Dialogkonzepte entwickeln, und verknüpfen hierbei Psychologie des Widerstands, Projektentwicklung und Change Management – für tragfähige, innovative Beiträge zur «Stadt der kurzen Wege».