RepairShare – Ein Fonds für alle, die lieber reparieren als wegwerfen
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: RepairShare – Ein Fonds für alle, die lieber reparieren als wegwerfen
- Date: 5/9/2025 11:24:03 AM
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Project Idea Description
Teilen als Reparaturkultur
RepairShare hebt das Teilen auf eine neue Ebene: Nicht das Objekt selbst wird geteilt, sondern die Verantwortung für dessen Erhalt. RepairShare ist ein solidarisch finanzierter Reparaturfonds, der Alltagsreparaturen – ob Kleidung, Fahrräder, Elektrogeräte oder Möbel – für alle zugänglich und erschwinglich macht. Mitglieder zahlen einen kleinen Beitrag in einen gemeinschaftlichen Topf, aus dem Reparaturen bei lokalen Betrieben bezahlt werden. Damit macht RepairShare nicht nur das Teilen von Reparaturkosten sichtbar und erlebbar, sondern etabliert Reparatur als sozialen Standard in der urbanen Gesellschaft der Zukunft.
Initiiert von Zuerich.repair, einem bestehenden Netzwerk von Reparaturbetrieben in der Stadt Zürich, adressiert RepairShare sowohl die strukturelle Prekarität im Reparaturhandwerk als auch die Unsichtbarkeit von Reparatur als Teil nachhaltiger Lebensstile. Es geht um mehr als nur Reparieren: RepairShare teilt Verantwortung, schafft Verbindlichkeit, fördert Suffizienz und macht Reparatur wieder attraktiv. Dabei knüpft das Projekt an eine Wertehaltung an, die früher selbstverständlich war: Unsere Eltern und Grosseltern haben Dinge gepflegt, geflickt und erhalten – aus Respekt vor dem Material, der Arbeit und dem Wert der Dinge.
Problemstellung und systemische Hebel
Reparieren lohnt sich heute oft nicht – nicht ökonomisch, nicht emotional, nicht sozial. Während Konsumgüter günstig und jederzeit verfügbar sind, erscheinen Reparaturen teuer, kompliziert und unattraktiv. Diese Verzerrung basiert auf mehreren strukturellen Problemen:
- Kostenwahrnehmung: Reparaturen wirken teuer, obwohl sie volkswirtschaftlich günstiger sind als Neukäufe – doch das wird im Alltag nicht sichtbar.
- Fehlende Strukturen: Es gibt kaum Infrastrukturen, die Reparatur niedrigschwellig, solidarisch und verbindlich in den Alltag integrieren.
- Prekäre Arbeit: Reparateur:innen arbeiten oft unter unsicheren Bedingungen, mit schwankender Auftragslage und wenig gesellschaftlicher Anerkennung.
- Unsichtbares Teilen: Reparatur wird nicht als Teil der Sharing Economy verstanden, obwohl sie genau das ist: geteilte Verantwortung für Dinge, die wir besitzen oder gemeinsam nutzen.
Unsere Hypothese: Reparatur wird dann zum gesellschaftlichen Standard, wenn sie solidarisch getragen, strukturell verankert und kulturell aufgewertet wird.
Soziale Innovation durch Reparatur-Teilen
RepairShare verändert gewohnte Denkweisen über Besitz, Konsum und Verantwortung. Unser Ansatz kombiniert mehrere soziale Innovationen:
1. Solidarisches Reparatur-Sharing
Der Fonds funktioniert wie eine Mikroversicherung oder ein solidarischer Topf: Wer Mitglied ist, kann Reparaturen in Anspruch nehmen – die Kosten werden gemeinschaftlich getragen. Wer wenig reparieren lässt, unterstützt andere. Ein dynamisches Beitragssystem (z. B. Fair-Use oder Staffelmodelle) stellt sicher, dass das System auch bei unterschiedlichem Nutzungsverhalten fair bleibt.
2. Reparatur als soziale Praxis
Nicht nur die Dinge, sondern auch ihre Pflege und ihr Erhalt werden kollektiv verstanden. RepairShare fördert eine neue Kultur: Reparatur ist nicht moralische Ausnahme, sondern Alltagspraxis – geteilt, fair, sichtbar.
3. Wertschätzung und Zukunft des Handwerks
Durch faire Bezahlung und planbare Aufträge schafft RepairShare neue Perspektiven für das Reparaturhandwerk. Damit wird auch ein kulturelles Erbe bewahrt: lokales Wissen, nachhaltige Fertigkeiten, soziale Infrastruktur. Das Projekt erhöht die Attraktivität handwerklicher Berufe nicht nur als ökologische Notwendigkeit, sondern auch als gesellschaftlich relevante Arbeit.
4. Plattformbasiertes Netzwerk
Eine digitale Lösung ermöglicht das Matching von Mitgliedern und Reparaturbetrieben, das Tracking der Wirkungen (z. B. CO₂-Einsparung, Ressourcenschonung) und eine transparente Kommunikation. In Zukunft kann ein Large Language Model die Reparierbarkeit und geschätzte Kosten von Gegenständen bewerten – dies schafft Vertrauen und senkt Eintrittshürden.
Wandel von Gewohnheiten
RepairShare zielt auf eine radikale Verschiebung im Umgang mit Konsumgütern. Statt „Kaufen – Nutzen – Wegwerfen“ rückt der Erhalt in den Fokus. Reparieren wird zum sozialen Standard. Die gewohnte Linearität wird durch eine gemeinschaftlich getragene Zirkularität ersetzt.
RepairShare macht das Teilen auch für Menschen attraktiv, die sich alles leisten könnten, weil es nicht aus Not, sondern aus Haltung geschieht. Zugleich entkoppelt das Projekt den Zugang zu Reparatur von Einkommen, Herkunft oder Bildung. Damit wird Reparatur Teil einer zukunftsfähigen Alltagskultur, die ökologisch sinnvoll, sozial gerecht und wirtschaftlich tragbar ist.
Abgrenzung zu bestehenden Ansätzen
RepairShare unterscheidet sich deutlich von klassischen Reparaturboni:
- Nicht punktuell, sondern strukturell: RepairShare ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein dauerhaftes Angebot.
- Nicht staatlich verwaltet, sondern gemeinschaftlich getragen: Der Fonds speist sich aus Mitgliedsbeiträgen, nicht aus Steuergeldern.
- Nicht bloß Förderung, sondern kultureller Wandel: Ziel ist nicht nur mehr Reparatur, sondern die Wiederbelebung einer Reparaturkultur.
Die Einbindung der Reparateur:innen als aktive Partner mit fairer Bezahlung grenzt RepairShare zudem deutlich von marktgetriebenen oder kurzfristigen Förderinstrumenten ab.
Potenzial für Skalierung und Systemveränderung
RepairShare ist als modular skalierbares Modell konzipiert – mit Potenzial zur Umsetzung auf städtischer, regionaler und nationaler Ebene. Der Zugang für Nutzer:innen ist niedrigschwellig, das Modell flexibel an lokale Gegebenheiten anpassbar. Je mehr Personen sich beteiligen, desto stärker wirkt der solidarische Finanzierungsmechanismus.
Die geplante rechtliche Struktur ist ein Verein, getragen von Nutzer:innen, Reparaturbetrieben und strategischen Partnerorganisationen. Aufbauend auf dieser Basis sind unterschiedliche Kooperationen denkbar – beispielsweise:
- Versicherungen: Integration einer RepairShare-Mitgliedschaft in Versicherungsverträge (z. B. Hausratversicherungen), um den Zugang zu Reparaturleistungen strukturell zu verankern.
- Gemeinden: Überführung kommunaler Reparaturgutscheine in den Fonds zur administrativen Entlastung und zur Wirkungserweiterung.
- Handel und Hersteller: Kooperation mit Grosshändlern – etwa durch einen öffentlich sichtbaren Reparierbarkeitsscore für Produkte.
Langfristig kann RepairShare zur Grundlage für eine politische Rahmensetzung werden, die etwa einen Abfallaufschlag für nicht reparierbare Produkte vorsieht.
Das Projekt fördert mehrere Ziele gleichzeitig:
- Reduktion von CO₂ und Ressourcenverbrauch
- Aufwertung handwerklicher Tätigkeiten
- Teilhabe und soziale Gerechtigkeit
- Stärkung der lokalen Kreislaufwirtschaft
- Sichtbarmachung von Suffizienz als Lebensstil
Was wir im Ideenbooster machen werden
Im Rahmen des Ideenboosters konkretisieren wir die Grundlagen für RepairShare und bereiten den nächsten Entwicklungsschritt vor. Geplant ist die Ausarbeitung eines solidarischen Finanzierungsmodells (z. B. Fair-Use, Staffelung), die rechtliche und organisatorische Klärung (z. B. Vereinsstruktur) sowie qualitative Interviews mit Reparaturbetrieben, potenziellen Nutzer:innen und Verwaltungspartnern. Parallel erarbeiten wir eine Kommunikationslinie, die Reparatur als Teil einer urbanen Sharing-Kultur sichtbar macht, und erstellen einen einfachen digitalen Prototyp zur Mitgliederverwaltung und Wirkungsmessung.
Als Forschungspartner begleitet uns der Studiengang CAS Sustainable Management der Hochschule Luzern (HSLU) unter der Leitung von Martin Brasser. Für den digitalen Bereich unterstützt uns die Ting-Community, die ihre bestehende Plattforminfrastruktur zur Verfügung stellt und technische sowie inhaltiche Beratung bietet.
Ziel ist ein tragfähiges, anschlussfähiges Modell, das auf einen konkreten Pilottest vorbereitet – lokal verankert, aber übertragbar gedacht.
Budgetübersicht (CHF 21’500)
Position Betrag (CHF)
Projektkoordination & konzeptionelle Entwicklung
6’000
Interviews & Wirkungsanalyse (inkl. Transkription)
3’000
Expert:innen-Gutscheine (z. B. Recht, Wirkung, HSLU)
4’500
Entwicklung einfacher Web-Prototyp (Mockup/Funktion)
4’000
Kommunikation & Gestaltung (Text, Designansätze)
2’000
Communityaufbau & Vernetzung mit Betrieben
2’000
Total
21’500
Fazit
RepairShare will das Prinzip des Teilens auf einen neuen Bereich übertragen – den des Erhalts. Es macht sichtbar, dass wir nicht nur Dinge teilen können, sondern auch Verantwortung, Fürsorge und Infrastruktur. Das Projekt ist radikal in seinem Anspruch, aber pragmatisch in der Umsetzung. Es verknüpft Reparatur, Fairness und Sharing zu einer zukunftsfähigen sozialen Innovation – und leistet damit einen konkreten Beitrag zu einer klimagerechten, urbanen Gesellschaft.
RepairShare – Teilen beginnt beim Erhalten.
RepairShare ist ein solidarisch finanzierter Reparaturfonds, der Alltagsreparaturen für alle zugänglich und erschwinglich macht – unabhängig vom Kaufort. Mitglieder zahlen einen kleinen Beitrag in einen gemeinsamen Topf und erhalten faire Reparaturen bei lokalen Betrieben. Initiiert vom Netzwerk Zuerich.repair will RepairShare suffizienten Konsum fördern, das Handwerk stärken und das Teilen von Verantwortung sichtbar machen – nicht als Verzicht, sondern als zukunftsfähige Haltung. Im Ideenbooster entwickeln wir ein Finanzierungsmodell, klären rechtliche Strukturen und erarbeiten mit dem CAS Sustainable Management der HSLU ein fundiertes Wirkungsmodell. Ting.community unterstützt die technische und inhaltliche Umsetzung. RepairShare zeigt: Nicht nur Dinge lassen sich teilen – sondern auch Verantwortung, Fürsorge und Zukunft.