KreislaufZukunft – Sharing beginnt an der Sammelstelle
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- Project Idea Name: KreislaufZukunft – Sharing beginnt an der Sammelstelle
- Date: 5/24/2025 7:48:50 PM
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Project Idea Description
Welches Problem möchtet ihr lösen? Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für die Idee?
Unsere Gesellschaft produziert täglich grosse Mengen an Abfall – oft auch Gegenstände, die eigentlich noch brauchbar wären. Zwar funktioniert das Recycling vielerorts gut und wird von vielen Menschen aktiv umgesetzt. In Zermatt wurden im Jahr 2024binsgesamt 8'320 Tonnen Abfälle und Wertstoffe gesammelt – ein Anstieg von über 4 % im Vergleich zum Vorjahr (7'987 Tonnen). Auf dem Gemeindegebiet hat es dafür 32 Sammelstellen (inkl. 1 Standort in Furi, einer zentraleren Sammelstelle im Spiss und der mobilen Sammelstelle). Besonders erfreulich ist daher die Recyclingquote von 60,43 %, die deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt liegt. Doch noch vor dem Recycling liegt ein oft ungenutztes Potenzial: das Weitergeben, Tauschen oder gemeinsame Nutzen von Dingen, die für andere noch wertvoll sein könnten. Solche niederschwelligen Alternativen fehlen im Alltag häufig.
Unsere zentrale Problemhypothese: Entsorgungsinfrastrukturen sind bislang fast ausschliesslich auf Entsorgung & Recycling ausgerichtet – nicht aber auf Wiederverwendung und Sharing. Orte wie Sammel- oder Entsorgungsstellen könnten über ihre funktionale Rolle hinaus zu Orten des Teilens und zirkulären Denkens werden – bisher wird dieses Potenzial jedoch kaum genutzt.
Unser Mainstreaming-Ansatz zielt daher darauf ab, diese Systemlogik zu hinterfragen und zu verändern. Wir wollen Sammel- und Entsorgungsstellen zu multifunktionalen Orten machen, an denen Teilen, Tauschen und Weiternutzen genauso selbstverständlich sind wie Wegwerfen.
Der erste Schritt ist ein gemeinsamer Ideen-Workshop – als Living Lab –, in dem wir entsprechende Konzepte entwickeln und modellieren. Projektbegleitend führen wir zusammen mit der Berner Fachhochschule (BFH) eine wissenschaftliche Umfrage durch, um über den Lebensraum hinaus Meinungen und Ideen zu solchen mit Sharing-Optionen erweiterten Entsorgungsstellen einzuholen.
Wie trägt die Idee zur Lösung des Problems bei?
Wir möchten die gesellschaftlich tief verankerte Gewohnheit, überflüssige Dinge direkt zu entsorgen, in Richtung einer Kultur des Weitergebens verändern. Viele Menschen handeln zwar bereits umweltbewusst, aber niederschwellige Angebote für Sharing, Tauschen und Leihen fehlen oft im Alltag.
Unser Ansatz besteht darin, diese neuen Möglichkeiten direkt in bestehende Routinen einzubetten: Menschen besuchen regelmässig Entsorgungsstellen – genau dort wollen wir Sharing-Angebote sichtbar und nutzbar machen.
In einem partizipativen Workshop (Living Lab) möchten wir gemeinsam mit Bürger:innen des Lebensraums, Fachleuten und der Gemeinde neue Ideen für die Weiterentwicklung von Entsorgungsstellen zu kombinierten Sharing- und Entsorgungsorten erarbeiten – etwa Verschenkregale, Leihstationen, Nachbarschaftsboxen oder Tauschpunkte. Die entwickelten Ansätze sollten im Anschluss vor Ort erprobt und schrittweise umgesetzt werden.
Wer wird von der Lösung profitieren und wie?
Das Projekt hat vielfältige Wirkungsebenen:
Die Bevölkerung kann ihre Ideen direkt einbringen und profitiert langfristig von neuen, alltagstauglichen Sharing-Angeboten an Entsorgungsstellen.
Die Gemeinde, insbesondere die Abfallkommission aber auch die Energiestadt-Kommission erhalten praxisnahe Impulse zur Weiterentwicklung bestehender Strukturen und können durch kreislaufwirtschaftliche Lösungen Vorbildcharakter übernehmen.
Die Wissenschaft gewinnt durch die begleitende Umfrage fundierte Erkenntnisse zur Bedarfslage und Akzeptanz.
Lokale Initiativen finden neue Möglichkeiten, sich einzubringen und Mitverantwortung zu übernehmen.
Die Lebensraum und die Umwelt profitieren durch vermiedenen Abfall, längere Produktnutzung und bewussteren Konsum.
So entsteht ein neues Selbstverständnis: Entsorgungsstellen werden zu Orten des Mitdenkens, Mitteilens und Mitmachens.
Wie trägt die Idee zum Ziel der Klimagerechtigkeit bei?
Die Idee trägt zur Klimagerechtigkeit bei, indem sie Emissionen reduziert, Ressourcenschonung fördert und soziale Teilhabe ermöglicht. Durch Sharing-Angebote an Entsorgungsstellen wird die Nutzungsdauer von Produkten verlängert und die Neuproduktion verringert. Gleichzeitig erhalten alle Bevölkerungsgruppen – unabhängig vom Einkommen – Zugang zu nützlichen Alltagsgegenständen. Der partizipative Ansatz stärkt zudem das gemeinsame Verantwortungsgefühl und fördert lokale, klimafreundliche Lösungen.
Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?
- José Lourenço - Mitarbeiter “the-right-bin" Zermatt Entsorgung & Team
Mitarbeitende der Zermatt Entsorgung “the-right-bin": Sie übernehmen die Rolle der Fachexperten beim Workshop. Sie kennen die Infrastruktur, sehen hinter die Kulissen, können einschätzen, was es braucht, damit eine Idee umsetzbar ist und können aufzeigen, was die Rahmenbedingungen sind.
- Oliver Summermatter - Leiter Administration / Stv. Leiter Verwaltung bei Einwohnergemeinde; Emanuel Julen – Gemeinderat und Präsident der Entsorgungs- sowie Energiestadtkommission
Vetreter:innen der Gemeinde Zermatt: Sie nehmen eine Enabling- und Mediatoren-Rolle ein. Sie ermöglichen durch ihre Expertise und ihr Interesse an der Förderung der Kreislaufwirtschaft im Lebensraum die Durchführung des partizipativen Workshops sowie die Umsetzung der erarbeiteten Idee und setzen den Rahmen.
- Evelyn Frischknecht, Gabriele Leiggener, Tabea Baumgartner – Consultants Swiss Climate
Organisieren und führen durch den Workshop und unterstützen als Fachexpertinnen im Bereich Nachhaltigkeit den Lebensraum. Zudem koordiniert Swiss Climate die Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule und unterstützt diese bei der Durchführung der Umfrage. Zudem leitet Gabriele Leiggener die Fachstelle Nachhaltigkeit des Lebensraums, und kann so die Verbindung zur Nachhaltigkeitsstrategie herstellen und den verschiedenen Akteur:innen im Lebensraum.
- Prof. Dr. Tobias Stucki, Professor von Circular Economy und Prof. Dr. Rahel Meili, Professorin von Circular Economy & Economic Geography
Berner Fachhochschule: Sie übernimmt die wissenschaftliche Begleitung des Projekts und die Durchführung der Umfrage mit dem Ziel herauszufinden, ob ein kombiniertes Sharing- und Entsorgungskonzept von der breiten Bevölkerung gewünscht ist; falls ja, in welcher Form und für welche Produkte/Gegenstände; und an welchen Standorten ein solches kombiniertes Angebot als sinnvoll erachtet wird.
- Bürger:innen & Akteur:innen aus dem Lebensraum, die im Workshop mit ihren Alltagsbedürfnissen und Ideen direkt beteiligt sind.
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Es wurden bereits Ideen im Lebensraum umgesetzt, welche auf das Teilen und Wiederverwenden von Objekten abzielen wie bspw. die Durchführung von Flohmärkten sowie der öffentliche Bücherschrank der Bibliothek. Auch wurde ein Repair Café durchgeführt, um kaputte Dinge zu reparieren. Es hat sich gezeigt, dass das Bedürfnis, Sharing-Optionen zu haben, in der Bevölkerung vorhanden ist. Entsorgungsstellen mit solchen integrierten Sharing-Angeboten zu koppeln ist jedoch ein neuartiges Vorhaben im Lebensraum.
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten (z. B. Machbarkeitsstudie, Entwicklung eines klimagerechten Geschäftsmodells, Bau eines ersten Prototyps, usw.)? Was erhofft ihr, werdet ihr am Ende des Boosters konkret erreicht haben?
- Den Workshop (Living Lab) professionell vorbereiten und durchführen – inkl. methodischer Gestaltung, Beteiligung der Bevölkerung, Fachinputs und Moderation: Die Teilnehmenden sollen sich im Workshop kreativ entfalten und ihre Ideen mit unterschiedlichen Materialien realitätsnah modellieren können.
- Eine gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelte Ideensammlung generieren, aus der sich konkrete Pilotmassnahmen ableiten lassen
- Erste Umsetzungsmodelle für Sharing-Elemente an Entsorgungsstellen skizzieren (z. B. wie könnte eine betreute Verschenk-Station organisiert sein?)
- Der Prozess durch eine wissenschaftliche Umfrage begleiten, um Bedürfnisse, Nutzungspotenzial und Standortpräferenzen in der Bevölkerung systematisch zu erfassen und die weitere Entwicklung von Entsorgungsstellen mit integrierten Sharing-Angeboten fundiert zu unterstützen.
Ergebnis: Gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitete Ideensammlung zu Sharing-Konzepten an Entsorgungsstellen im Rahmen eines partizipativen Workshops sowie fundierte Erkenntnisse aus der begleitenden Umfrage zu Bedürfnissen, Nutzungspotenzial und Standortpräferenzen.
Was erhofft ihr Euch von dem Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partner:innen (wenn ja, wem?), Verknüpfung mit der Verwaltung usw.)?
Die Möglichkeit mit Hilfe der Durchführung des Living Labs und der Umfrage konkrete Ideen erarbeiten zu können, welche im Anschluss weiterverfolgt, getestet und umgesetzt werden. Zudem dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, der Abfallkommission und der Bevölkerung im Rahmen der Förderung von kreislauffähigen Lösungen gestärkt wird und die Bevölkerung weiter für die Thematik Kreislaufwirtschaft insb. Sharing sensibilisiert wird.
Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?
- Mitarbeitende von der Abfallentsorgung und Abfallkommission, welche mit der Infrastruktur und den Gegebenheiten bestens vertraut sind und den Prozess thematisch begleiten können.
- Kreislaufwirtschaftexperte:in, der:ie sein:ihr vertieftes Wissen bzgl. kreislauffähige Lösungen den Projektbeteiligten und den Workshopteilnehmenden näherbringen kann
Als Team vereinen wir relevantes Praxis- und Forschungswissen und sind dadurch bereits sehr gut aufgestellt.
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was (maximal CHF 22’500 inkl. Expert:innen-Gutscheine)?
Notwendiges Budget für die Durchführung des partizipativen Workshops und der wissenschaftlichen Umfrage:
- 5’000 Fr. für Materialien zur Durchführung des Living Labs (Materialen mit welchen die Teilnehmenden ihre Ideen direkt am Workshop realitätsnah modellieren können) sowie die Verpflegung der Teilnehmenden während des Workshops.
- 6'500 Fr. für die Arbeitszeit der fachlichen Begleitung (für die Mitarbeitenden der Abfallkommission und -entsorgung)
- 9'000 Fr. für die Organisation und Durchführung des Living Labs und die Koordination und Unterstützung der Fachhochschule Bern bei der Durchführung der Umfrage
- 2'000 Fr. für die Fachhochschule Bern für die Durchführung der wissenschaftlichen Umfrage
Wie können Entsorgungsstationen zu lebendigen Orten des Teilens werden? In einem gemeinsamen Workshop mit Fachpersonen und der Bevölkerung des Lebensraums Zermatt sammeln wir kreative Ideen, wie bestehende Entsorgungsstellen im Lebensraum mit Sharing-Angeboten kombiniert werden können – z. B. Tauschregale, Verschenkboxen oder Leihstationen. Ziel ist es, gemeinsam neue Wege zu finden, wie wir Abfall vermindern, Ressourcen schonen und die Nachbarschaft stärken können.