So werden Immobilienverwaltungen zu Sharing-Enablern
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: So werden Immobilienverwaltungen zu Sharing-Enablern
- Date: 5/25/2025 1:23:16 PM
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Project Idea Description
Welches grundlegende Problem adressiert ihr?
Die Praxis des Teilens adressiert und vermindert primär die ineffiziente Ressourcennutzung sowie die Umweltbelastung, welche durch die Herstellung von nur selten genutzten Produkten entsteht. In der Schweiz sind dank der hohen Kaufkraft sehr viele solcher selten genutzter Geräte, Sportartikel, Spielzeuge, Fahrzeuge etc. in privatem Besitz.
Die gemeinsame Nutzung solcher Objekte durch die Praxis des Teilens ist in der Schweiz noch wenig verbreitet, gleichzeitig wäre sie sehr einfach zu organisieren, insbesondere in urbanen Nachbarschaften, wo viele Menschen nahe beieinander leben.
Bekannte Hürden für das Teilen sind die mangelnde Information über die Verfügbarkeiten von Objekten (Wer, Wann, Wo), fehlende Bekanntschaften in der Nachbarschaft, der koordinative und logistische Aufwand für die Übergabe der Objekte, mangelndes Vertrauen (z.B. unklare Verhältnisse im Falle eines Schadens) und der Wunsch nach unmittelbarer Verfügbarkeit.
Viele dieser Hürden können heute mittels Sharing-Apps (zB Sharely, GoMore) gelöst werden (Matchmaking, Bezahlung, Versicherung etc.). Für die Vereinfachung der Übergabe, bzw. des Schaffens von Zugang, gibt es heute diverse technische Lösungen: zB Schliesssysteme für Fahrzeuge, Räume oder Fächer, die sich per App oder Einmal-Code bedienen lassen).
Trotzdem werden in der Schweiz die meisten der selten genutzten Objekte noch nicht geteilt.
Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für Euren Mainstreaming-Ansatz?
Aufgrund der Existenz von technischen Lösungen sowie verschiedenen Studien kann davon ausgegangen werden, dass dafür andere Gründe ausschlaggebend sind: Ungenügende Bekanntheit und Gewohnheit der Praxis des Teilens; Kulturelle Faktoren wie niedrige soziale Akzeptanz oder Status-Denken (“Wer ausleiht oder mietet, ist zu arm, um selbst zu kaufen”); Mangelndes Vertrauen unter unbekannten Personen; Zu hoher logistischer und koordinativer Aufwand aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit von entsprechenden technischen Lösungen u.a..
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass solcherlei Hürden oft nur schwer auf individueller Ebene überwunden werden können. Sie könnten jedoch effizienter durch einen zentralen, allseitig vertrauenswürdigen, organisierenden Akteur überwunden werden. Noch besser durch gemeinsames Handeln von mehreren solcher Akteure.
In nahen Nachbarschaften könnten Immobilienverwaltungen diese Rolle einnehmen: Sie geniessen Vertrauen, Sie organisieren bereits jetzt den geteilten Zugang zu Räumen oder Geräten wie Garagen, Waschmaschinen oder Gemeinschaftsräumen (sowie deren Instandhaltung); Sie verfügen über etablierte Zahlungs- und Kommunikationskanäle zu ihren Mietenden und viele von ihnen betreiben bereits Apps, mit denen sie koordinative Angelegenheiten mit ihren Mietern verwalten. Die eingangs erwähnten technischen Lösungen böten ihnen zusätzliche Möglichkeiten: Schliessfächer und Zugangssysteme könnten in ihr Raumprogramm oder gar in ihr Schliesssystem integriert werden. Informations- und Koordinationsfunktionen könnten in ihre Apps integriert werden. Die sozio-kulturelle Akzeptanz der Praktik könnten sie mit kommunikativen Mitteln normalisieren und fördern.
Das Potential von Liegenschaftsverwaltungen ist besonders gross, wenn man in Betracht zieht, dass rund die Hälfte der schweizer Haushalte Mietende von solchen Verwaltungen sind, meist in einem Mehrfamilienhaus. Und dass Sharing bei der “nachrückenden” Generation Z eine hohe Akzeptanz geniesst.
Eine Durchsicht der aktuellen Forschungsliteratur zeigt jedoch, dass die überwiegende Zahl von Liegenschaftsverwaltungen noch kaum eine Rolle als Ermöglicherin und Förderin von Sharing-Praktiken unter ihren Mietenden einnimmt, geschweige denn getestet hat.
Welche Gewohnheiten möchtet Ihr durch welchen Ansatz wie verändern oder mainstreamen?
Letztlich möchten wir die Gewohnheit des Teilens von persönlichen Objekten, Fahrzeugen oder Räumen in der Nachbarschaft mainstreamen. (zB: Geräte, Werkzeuge und Artikel für Küche, Homeoffice, Workout, Spiel & Hobby, Reinigung etc., Fahrräder, Anhänger, PKW’s etc. Gästezimmer, Lagerräume etc.)
Mit diesem Projekt wollen wir diese Praktiken auf eine indirekte Weise fördern und mainstreamen: Unser Ansatz besteht darin, das Verhalten und das Angebot von Immobilienverwaltungen zu verändern und zu mainstreamen. Wir möchten ein Verfahren entwickeln, das bewirkt, dass insbesondere private und kommunale Immobilienverwaltungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten vermehrt die Praktik der Teilens unter ihren Mietenden ermöglichen und fördern.
Diverse Wohnbaugenossenschaften haben schon Erfahrung mit dieser Rolle gesammelt und entsprechende Angebote und Prozesse erfolgreich getestet und dokumentiert (zB: Kraftwerk1, Kalkbreite oder Lena, (Neustart Schweiz) etc.). Dabei wurden auch neue berufliche Rollen geschaffen oder erweitert (zB Concierge in der Kalkbreite).
Wer wird vom Mainstreamen profitieren und wie?
Mietende werden profitieren, indem sie weniger Objekte, Räume oder Geräte kaufen und besitzen müssen, einer grössere Vielfalt an Objekten nutzen können und u.U. dadurch, dass sie Objekte vermieten können. Zudem werden sie mehr vertrauensvolle Kontakte in ihrer Nachbarschaft knüpfen und dadurch ihr soziales Gefüge stärken.
Immobilienverwaltungen werden profitieren, indem sie neue Dienstleistungen und somit Einkommensquellen entwickeln und/oder, indem sie ihre Wohnungen mit einem Mehrwert anbieten können.
Die Gesellschaft und nachfolgende Generationen werden profitieren, indem lokal das soziale Gefüge in den Nachbarschaften gestärkt wird und global gesehen mehr natürliche Ressourcen und das Klima geschont werden.
Welche Personen/Organisationen gibt es in Eurem Team und was ist ihre Rolle?
Die Einreichung erfolgt durch das ARC Collective (GmbH) und #MoveTheDate, mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als Forschungspartnerin.
- Peter Haberstich (ARC-Collective)
- Projektleitung, Research, Strategieentwicklung, Geschäftsmodellentwicklung
- Langjährige berufliche Erfahrung in der Promotion von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungsprozessen mit Methoden des Marketings, des Innovations-Managements, der soziokulturellen Animation und dem Campaigning.
- Olivier Mächler (ARC-Collective, #MoveTheDate)
- Research, Geschäftsmodell-Entwicklung, Strategie-Entwicklung mit Fokus Marketing,
- Langjährige Erfahrung im Marketing und Community Building. Kenner von Sharing-Modellen und Nutzerbedürfnissen.
- Dr. Pavlina Pavlova, FHNW
- Wissenschaftliche Begleitung in der Recherche und Geschäftsmodellentwicklung.
- Expertin in Kreislaufwirtschaft und entsprechenden Geschäftsmodellen sowie systemischen Bedingungen.
- Miriam Nietlisbach (Cerca Design Lab)
- Research und Geschäftsmodellentwicklung mit Fokus Produktentwicklung und Produktdesign.
- Produktdesignerin und Kennerin von Sharing-Modellen sowie entsprechenden Infrastruktur-Innovationen.
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Die Rolle von Verwaltungen als Ermöglicherinnen von Sharing-Praktiken wurde für gewisse Funktionen schon getestet (siehe oben. U.a. auch von privaten Immo-Verwaltern (z.B. Livit in Greencity Zürich Süd.). Auch technische Hilfsmittel wie Sharing-Stationen wurden schon getestet. (z.B. www.Tulu.io)
Wir haben aber keine Hinweise gefunden, dass schon einmal ein Verfahren entwickelt und getestet wurde, das Immobilienverwaltungen dazu veranlasst, eine fördernde Rolle einzunehmen und entsprechende Angebote zu integrieren.
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten
- Research (Literatur & Interviews): Welches Potential bietet sich Immobilienverwaltungen durch diese Rolle, Aus welchen Gründen nehmen sie die Rolle noch kaum ein (zB: Juristische, ökonomische Vorbehalte oder Hürden, etc), Welche Bedürfnisse haben sie, welche Anreize wären für sie ausschlaggebend? etc.
- Entwicklung von attraktiven Geschäftsmodell-Protoypen für Immobilienverwaltungen in zwei Iterationen (Integration von Feedback von Vertreter:innen von Immobilienverwaltungen). Integration von realen und spekulativen Lösungen.
- Entwicklung von Diffusions- und Adaptionsstrategie(n) oder -Verfahren: Wie können Verwaltungen dazu veranlasst werden, die Rolle der Ermöglicherin und Förderin von Sharing-Praktiken anzunehmen und auszufüllen? (Iteration nach Feedback von relevanten Stakeholdern und Akteuren). (Die Strategien können z.B. regulative, kommunikative und/oder funktionale Taktiken beinhalten.)
- Präsentation der Ergebnisse vor relevanten Akteuren sowie Anstrengungen, geeignete Akteuren für die Umsetzung der Strategie zu gewinnen. (z.B. Gründung einer Arbeitsgruppe)
Was erhofft ihr Euch von dem Booster
Einen Boost. Und: Kontakte in die Stadtverwaltungen mit Erfahrungen und interessanten Perspektiven. Vereinfachte Kontaktaufnahme zu einflussreichen Personen aus der Immobilienwirtschaft.
Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben?
Kenner:innen der ökonomischen und regulativen Systeme, in denen Immobilienverwaltungen operieren. Kenner:innen von für diesen Fall relevanten, spezifischen Eigenarten von Sharing-Geschäftsmodellen.
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was
- Desk Research & Interviews: CHF 6’000
- Geschäftsmodellentwicklung: CHF 4’000
- Ideation, Fokusgruppen, Szenarienentwicklung, Plausibilisierungen mit Experten und Vertretern aus Immobilienverwaltung und Sharing-Economy
- Entwicklung von Diffusions- und Adaptionsstrategien: CHF 5’000
- Entwicklung von Strategien zur Skalierung und Integration, Plausibilisierungen, Feedbackrunden
- Präsentation und Übergabe an geeignete Umsetzungs-Akteure: CHF 3’500
- Spesen (Fahrtkosten, Materialien): CHF 500
- Expert:innen-Gutscheine (CHF 3’500):
- Coaching durch FUS-Team: CHF 1’500
- Experten der Immobilienbranche und von Sharing-Geschäftsmodellen: CHF 2’000
In Mehrfamilienhäusern und Siedlungen ist das Potential für das Teilen von persönlichen Geräten, Sportartikeln, Spielzeugen, Fahrzeugen oder Räumen etc, zwischen den Mietparteien sehr gross. Die Forschung zeigt, dass die Verwaltungen dieser Immobilien eine wirkungsvolle Rolle in der Ermöglichung und Förderung dieser Praxis einnehmen könnten. Mit unserem Projekt wollen wir ein Vorgehen sowie ein Modell entwickeln, mit dem Immobilienverwaltungen dazu veranlasst werden können, diese Rolle vermehrt einzunehmen.