Inklusive automatisierte Mobilität in der Schweiz: Vernetzung und Co-Design für eine barrierefreie Implementierung
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- Project Idea Name: Inklusive automatisierte Mobilität in der Schweiz: Vernetzung und Co-Design für eine barrierefreie Implementierung
- Date: 9/15/2025 2:20:15 PM
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Project Idea Description
Inklusive automatisierte Mobilität in der Schweiz: Vernetzung und Co-Design für eine barrierefreie Implementierung
Ausgangslage:
Weltweit leben gemäss Weltgesundheitsorganisation rund 16 Prozent der Bevölkerung mit einer Behinderung. Das entspricht etwa 1,3 Milliarden Menschen.[1] In der Schweiz leben nach Schätzung des Bundesamtes für Statistik 1.7 Mio Erwachsene bzw. 52'000 Kinder mit einer Behinderung, wovon mehr als 300'000 bzw. 8'000 Kinder eine starke Beeinträchtigung haben.[2] Eine Behinderung entsteht aus dem Zusammenspiel zwischen individuellen Beeinträchtigungen und umweltbedingten Barrieren, die eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschweren.[3] Beeinträchtigungen können körperliche, mentale, intellektuelle oder sensorische Funktionen betreffen. Menschen mit Behinderungen sind besonders häufig von sozialer Exklusion betroffen, die durch Hürden im Bereich Transport und Mobilität verstärkt wird. Ursachen sind z.B. mangelnde Zugänglichkeit und fehlende Bezahlbarkeit. Ein verbesserter Zugang zu Arbeit, Gesundheitsversorgung und sozialer Teilhabe, durch inklusive Mobilitätslösungen, würde sowohl Individuen mit Einschränkungen das Leben erleichtern als auch positive volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte auslösen.
Für Personen, welche Schwierigkeiten mit der MIV-Nutzung haben, ist oftmals auch die öV-Nutzung keine hindernisfreie Alternative, sondern nach wie vor mit Hürden verbunden (z.B. Probleme beim Verstehen der Kundeninformation oder physische Hindernisse in Bahnhöfen). Vor diesem Hintergrund weisen automatisierte Fahrzeuge ein enormes Potenzial auf.
Die durch Betroffene wahrgenommenen Chancen von automatisierten Fahrzeugen sind vielfältig: Diese könnten die Autonomie erhöhen, die Abhängigkeit von Dritten reduzieren und eine zusätzliche Mobilitätsoption schaffen. Spezifisch versprechen öffentlich zugängliche Fahrzeuge längere Betriebszeiten, tiefere Nutzerkosten und eine bessere Flächenabdeckung.
Gleichzeitig bestehen zentrale Bedenken: Sicherheit und Vertrauen stehen im Vordergrund, etwa die Angst vor Systemausfällen, Notfällen ohne menschliche Begleitung und heiklen Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden. Entscheidend ist eine durchgängige Barrierefreiheit von Abhol- bis Abladepunkt, inklusive zuverlässiger Rollstuhlfixierung, hundefreundlichen Innenräumen und klarer Wegleitung am Ziel. Offene Fragen betreffen zudem Lizenzierung, Haftung und den Schutz sensibler Daten.[4]
Um mögliche Hürden zu überwinden und das Potenzial automatisierter Mobilität für Menschen mit Behinderungen in die Praxis zu bringen, braucht es eine enge Zusammenarbeit von Behörden auf Bundes- und Kantonsebene, Industriepartnern, Forschung sowie Behindertenorganisationen. Ebenfalls braucht es den Einbezug von betroffenen Menschen, da diese als einzige ihre Bedürfnisse kennen.
Unser Lösungsansatz:
Unsere Lösung setzt auf eine zentrale Webplattform, deren finale Inhalte gemeinsam mit den Stakeholdern erarbeitet werden. Vorgesehen sind
- ein Blogbereich für Studien, News und Best Practices mit laufend aufbereiteten relevanten Erkenntnissen aus Forschung und Praxis, sowie fortlaufenden Interviews mit Betroffenen als Feedbackschlaufe und Sensibilisierung.
- ein Member-Bereich mit Kontaktpersonen der beteiligten Stakeholder für direkte Zusammenarbeiten.
- ein Eventmodul mit einem jährlichen Treffen mit allen Stakeholdern, Terminen für freiwillige Testfahrten und partizipativen Workshops zur Bearbeitung offener Fragestellungen.
- eine Roadmap, die im ersten Jahr erarbeitet wird und die Ziele der nächsten Jahre festhält.
Das heisst, die Webplattform bringt die verschiedenen relevanten Stakeholder (Bund, Kantone, Anbieter von AV, Betroffene von Behinderungen, Fachverbände, Forschungseinrichtungen, etc.) auf digitaler Ebene zusammen und ist Startplattform für gemeinsame Aktivitäten in der Praxis. Besonders hervorzuheben, ist der Gedanke des partizipativen Einbezugs der Betroffenen.
Output, Outcome und Impact:
Das Projekt erzeugt zunächst konkrete Outputs wie eine zentrale Webplattform mit Blog, Member-Bereich, Eventmodul und Roadmap. Ergänzt wird dies durch Interviews mit Betroffenen, die Aufbereitung von Studien, Best Practices sowie Sensibilisierungsinhalten. Weiter gehören partizipative Workshops, jährliche Stakeholder-Events und Pilotfahrten mit automatisierten Fahrzeugen für Menschen mit Behinderungen zu den direkten Ergebnissen. Eine Roadmap mit klaren Zielen und ein Netzwerk von Kontaktpersonen auf der Plattform runden die Outputs ab.
Daraus entstehen verschiedene Outcomes auf mittelfristiger Ebene. Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Anbietern, Forschung und Betroffenen wird gestärkt, und das Bewusstsein für Barrieren und Bedürfnisse wächst in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In partizipativen Prozessen entwickeln sich gemeinsame Standards für Barrierefreiheit und Sicherheit. Pilotfahrten tragen dazu bei, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen. Zudem entstehen konkrete Kooperationen und Projekte, die die Umsetzung vorantreiben. Eine erleichterte Koordination zwischen den Akteuren und der Zugang zu verlässlichen Informationen für Politik, Forschung und Praxis sind weitere Wirkungen.
Langfristig zeigen sich schliesslich die übergeordneten Impacts. Die Schweiz kann sich als Vorreiterin für inklusive automatisierte Mobilität positionieren. Gesellschaftlich wird die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen stärker verankert. Nachhaltige Verbesserungen in den Rahmenbedingungen für inklusive Technologien fördern die Akzeptanz und breite Nutzung automatisierter Mobilität. Dadurch lassen sich soziale Exklusion abbauen und die gesellschaftliche Teilhabe stärken. Hinzu kommen eine bessere Arbeitsmarktintegration und volkswirtschaftliche Vorteile.
Mögliche Themenbereiche, welche durch das Projekt adressiert werden können, sind:
- Durchgängige Barrierefreiheit: Tür zu Tür, Haltezonen, Rollstuhlfixierung, Assistenzhunde, Orientierung.
- Nutzererlebnis und Bedienung: Einfache Sprache, Piktogramme, haptische Signale, Kanäle wie App, Telefon, Web.
- Sicherheit und Vertrauen: Notfälle ohne Fahrpersonal, Evakuation, Nachweise für sichere Systeme, medizinische Notfälle.
- Wirtschaftlichkeit und Tarife: Finanzierungsmodelle, soziale Preise, messbare volkswirtschaftliche Effekte.
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Geplante Schritte:
- November, 2025: Erstellung eines einfachen Mockups der Webplattform.
- Dezember/Januar, 2026: Anfrage möglicher Stakeholder.
- Februar, 2026: Projekteingabe bei der Age-Stiftung. Mit dieser Stiftung wurde bereits Kontakt aufgenommen und eine Eingabe wurde als realistisch eingestuft. Weitere mögliche Stiftungen sind Monsol Foundation, Mercator, Paul Schiller Stiftung, Ernst Göhner Stiftung.
- Juli, 2026: Kickoff-Meeting mit Stakeholder
[1] World Health Organization. Disability. Available online: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/disability-and-health (accessed on 8 April 2025).
[2] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/gleichstellung-menschen-behinderungen/behinderungen.html
[3] United Nation. Convention on the Rights of Persons with Disabilities. 2006. Available online: https://www.un.org/disabilities/documents/convention/convoptprot-e.pdf (accessed on 24 March 2025).
[4] Yousfi, E., Jacquet, T., & Métayer, N. (2025). Automated Vehicles and People Living with a Disability: Opportunities, Challenges, and Future Directions for Sustainable Mobility. Sustainability, 17(13), 5941. https://doi.org/10.3390/su17135941
Automatisierte Fahrzeuge bieten für Menschen mit Behinderungen grosses Potenzial: mehr Selbstständigkeit, tiefere Kosten und bessere Erreichbarkeit. Gleichzeitig bestehen Hürden bei Sicherheit, Vertrauen und durchgängiger Barrierefreiheit. Eine Webplattform soll Bund, Kantone, Anbieter, Forschung und Betroffene vernetzen. Sie bündelt Wissen, ermöglicht Austausch und partizipative Workshops und dient als Startpunkt für gemeinsame Lösungen zu Barrierefreiheit, Nutzererlebnis, Sicherheit und Finanzierung.