isoCott
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: isoCott
- Date: 8/27/2022 12:31:48 PM
- Administrators:
Project Idea Description
Welches Problem löst die Idee?
Altpapierbasierte Einblasdämmstoffe (z.B. isofloc) sind eine der weitverbreitetsten Wärmeisolierungen in der Baubranche. Explodierende Energiekosten und nicht zuletzt ein gesteigertes Umweltbewusstsein schaffen die ideale Marktsituation für den Einsatz solcher nachhaltigen Baustoffe. Hinzu kommt eine unproblematische Entsorgung, kein Verschnitt, schnelles und wirtschaftliches Arbeiten, effizienter Materialtransport und Konstruktionen müssen nur stellenweise geöffnet werden.
Der Papiermangel, Holzmangel und (auch pandemiebedingt) unterbrochene und zu lange Lieferketten, sowie die zunehmende Verdrängung von Papier im Zuge der Digitalisierung machen Altpapier jedoch zur Mangelware (Rückgang um 44% seit 2012) und die Verwendung im Downcycling ist am Rande der Rentabilität.
Die Luuup GmbH versucht deshalb in Zusammenarbeit mit dem Dämmstoffhersteller isofloc AG nachhaltige Einblasdämmstoffe für die Gebäudedämmung aus alternativen Rohstoffquellen zu entwickeln. Wie Altpapier, besteht auch Baumwolle zum größten Teil aus Cellulose, ist pflanzlichen Ursprungs und biologisch abbaubar und daher als Basis für nachhaltige Dämmstoffe hervorragend geeignet. In der EU fallen etwa 4,9 Mio. Tonnen Textilabfälle pro Jahr an, und die Menge wird in Zukunft drastisch ansteigen. Um dieses riesige Abfallproblem in den Griff zu bekommen, müssen die EU-Länder ab 2025 die getrennte Sammlung von Textilien einführen und die Wiederverwendung und das hochwertige Recycling erleichtern. Mit unserer Innovation wollen wir diese aufstrebende Ressource nutzbar machen und haben eine Methode etabliert, bei der dieses Abfallmaterial nach Aufbereitung und Zerkleinerung unter Zuschlag von brandhemmenden Mineralien und Bindern zu Dämmstoffflocken verarbeitet wird. Der daraus resultierende Einblasdämmstoff stellt eine nachhaltige, zirkuläre Alternative zu den etablierten Systemen dar, da er eine Ressource nutzt, von der 87 % auf Deponien landen.
Wer sind die Kunden und wie werden sie von der Lösung profitieren?
Die Kunden unseres Produktes sind gewerbliche und private Bauherren. Das Marktpotential für kostengünstige, nachhaltige Dämmstoffe bei Neubau und Sanierungen ist immens. Als Marktführer für Einblasdämmstoffe verfügt die isofloc AG mit 35 Jahren Erfahrung bereits über einen großen Kundenstamm innerhalb der Schweiz, aber auch in Deutschland und anderen EU-Ländern.
Welche Personen/Unternehmen sind Teil des Teams und welche Rolle spielen sie?
Luuup GmbH, Rosenbergstraße 51, 9000 St. Gallen (CH)
Dr. Christoph Selg – CTO
Sven Kannler – CEO
Christian Brenner - CFO
Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), Ueberlandstr. 129 8600 Dübendorf (CH)
Isofloc AG, Soorpark, 9606 Bütschwil (CH)
Andritz AG, Stattegger Str. 18, 8045 Graz (A)
Wie wirkt sich die Idee positiv auf die Umwelt aus (z. B. Materialeinsparung, Reduzierung der CO2-Emissionen)?
- Reduktion von Textilabfall durch Recycling
- Reduktion von Lieferwegen/CO2-Emmissionen, da die Produktion komplett in der Schweiz stattfindet
- Unproblematische Entsorgung am end-of-life, da biologisch abbaubarer, biobasierter Rohstoff
- Kein Wasserverbraucht/Gewässerbelastung, da rein mechanischer Prozess
Wurde die Idee bereits getestet? Wenn ja, wie?
Die einzelnen Prozessschritte vom Alttextil bis zum fertigen Dämmstoff wurden bereits abgebildet. Sortierte gereinigte Alttextilien der Texaid Textilverwertungs-AG wurden auf Maschinen von Andritz Graz (ehem. LaRoche) in unterschiedlichen Feinheiten gerissen und auf der Versuchsanlage der Firma isofloc AG zu Dämmstoffprototypen verarbeitet. Die erhaltenen Prototypen wurden bei isofloc AG den üblichen Brandschutz- und Wärmeleittests unterzogen und zeigten dabei eine deutliche Verbesserung gegenüber dem herkömmlichen papierbasierten Dämmmaterial. Alle Werte befinden sich innerhalb der gesetzlichen Normen. Die isoCott Dämmflocken können analog dem ursprünglichen altpapierbasierten isofloc-Dämmstoff eingesetzt werden.
Woran würdet ihr während der Booster-Förderung arbeiten (z. B. Entwicklung des Geschäftsmodells, Bau eines ersten Prototyps, Material für die Prototypenherstellung usw.)?
Als Startup müssen wir bisher alle Kosten für Versuchsmaterialien, Personal, Transport und Lagerung selbst tragen (bootstrapping), was das Vorhaben enorm ausbremst.
Wir würden den Booster in die Optimierung des Reiss- und Sortierprozesses, sowie die Erstellung eines Lifecycle Assessments und langfristig einer Öko-Zertifizierung investieren.
Was werden ihr am Ende des Booster-Programms als Endprodukt der Förderung vorlegen?
Wir haben uns einen Zeitrahmen von 12 Monaten bis zum Beginn der Produktion gesetzt. Endprodukt der Förderung wird die lückenlose Abbildung einer Produktionsstrasse vom Textilabfall bis zum Dämmstoff sein. Die Punkte, die noch geklärt werden müssen sind:
- die ideale Feinheit der Reissfasern
- das Setup der Reissmaschinen
- der maximal tolerierbare Fremdfasergehalt (Polyester, Polyurethan etc.)
- Scale-up von der Versuchsanlage auf die Produktionsstrasse der isofloc AG
- Abschliessender Test des Einblasverhaltens mit den Maschinen der isofloc (Cellofant).
Mit Abschluss dieser Tests können wir in Zusammenarbeit mit der Andritz AG in die finale Planung der Reiss- und Sortieranordnung gehen und schließlich im Herbst 2023 in die Produktion.
Was erhofft ihr euch vom Booster (z. B. Suche nach bestimmten Partnern, Unterstützung durch Experten usw.)?
Das Sourcing für post-industrial Alttextilien stellt innerhalb der Schweiz für uns noch ein grosses Problem dar, da es wenig ortsansässige Textilindustrie gibt. Wir erhoffen uns vom jointcreate-Netzwerk besseren Zugang zu Partnern aus der Industrie und Unterstützung von Experten auf dem Gebiet des nationalen und später auch internationalen Rohstoffhandels.
Luuup hat mit seinem Partner isofloc einen alttextilbasierten Einblasdämmstoff zur Gebäudedämmung entwickelt. Der Prozess toleriert dabei alle Faserlängen und Fremdfasern und tritt so nicht in Konkurrenz zu anderen Recyclingprozessen, sondern adressiert den Anteil des Textilabfalls (ca. 87%), der bisher nur verbrannt oder deponiert wird. Zusätzlich wird Unabhängigkeit von der bisherigen Rohstoffquelle Altpapier geschaffen, womit auf den absehbaren Rückgang und Preisanstieg dieser Ressource reagiert wird.