Wandel gemeinsam erleben – mit postfossilCities
Project Idea Metadata
- Project Idea Name: Wandel gemeinsam erleben – mit postfossilCities
- Date: 4/22/2025 12:39:11 PM
- Administrators:
Project Idea Description
Welches grundlegende Problem adressiert ihr? Welche systemischen Problemhypothesen sind Ausgangspunkt für euren Mainstreaming-Ansatz?
Trotz technischer Lösungen und politischer Ziele fehlt in Städten oft ein gemeinsames, motivierendes Zukunftsbild: Wie sieht klimaneutrales Leben konkret aus? Welche Massnahmen wirken wirklich? Wer muss zusammenarbeiten – und wie schaffen wir den Wandel rechtzeitig?
Aus systemischer Sicht zeigt sich die Problematik in folgenden Beobachtungen:
- Menschen agieren oft isoliert, auf individueller Ebene. Die systemischer Ebene, in welche die individuellen Verhaltensweisen eingebettet sind, wird zu wenig beachtet. Daraus resultieren Ohnmachts- und Frustrationsgefühle.
- Menschen sind dem Risiko von Greenwashing ausgesetzt. Es werden Nachhaltigkeits- und Klimaschutz-Projekte aufgegleist, aber die ganzheitliche Perspektive – d.h. die effektive Wirksamkeit in Bezug z.B. auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen - wird zu wenig beachtet. Stichwort: „Bionade am Flughafen“.
- Dringlichkeit wird erst durch Visualisierung des Netto Null Ziels bewusst.
- Der Ressourcenverbrauch in der Schweiz wächst. Bsp. Wohnraumbedarf pro Person. Suffizienzstrategien fristen ein Nischendasein.
Klimaschutz wird selten als kollektiver, lokaler Lern- und Veränderungsprozess verstanden. Die dringende Notwendigkeit akteursübergreifender Zusammenarbeit (z.B. zwischen Politik/Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft) wird gar nicht oder zu wenig beachtet.
Genau hier setzt postfossilCities an: Das Spiel bringt das Ziel (Erreichen von Netto-Null mit dem für das 1.5° oder 2.0° Ziel noch verfügbare Kohlenstoffbudget) anschaulich vor Augen. Es zeigt den Teilnehmenden weiter auf, wie viel unterschiedliche Klimaschutz-Massnahmen effektiv zur Erreichung dieses Ziels beitragen. Dabei macht es komplexe Zusammenhänge (Wärme, Strom, Mobilität, Raum, Ernährung) erfahrbar und ermöglicht den Dialog zwischen Politik, Bevölkerung, Energieversorgern und weiteren Akteuren. Dieser Dialog wird dadurch gefördert, dass man im Spiel gemeinsam ein dringendes Problem löst, sich dazu intensiv austauscht und dadurch eine gemeinsame Sprache und Problemsicht entwickeln kann. Die Gruppenerfahrung verbindet weit über den Workshop hinaus und unterstützt kluge Entscheidungen von Einzelpersonen in der „echten Welt“. Die Einzelpersonen sehen sich nach dem Workshop als relevante Akteure, um das Ziel Netto-Null zu verfolgen.
Welche Gewohnheiten möchtet ihr durch welchen Ansatz wie verändern oder mainstreamen?
Wir wollen Beteiligung relevanter Akteure an der Stadttransformation zum Normalfall machen – als integralen Bestandteil von Klimastrategien, Energieplanung und Stadtentwicklung. postfossilCities bricht Rollenbilder auf, ermöglicht neue Allianzen und gibt Raum für systemisches Denken. Es wird erfahrbar: Kein Sektor handelt allein, Transformation braucht Kooperation. Das Spiel macht Beteiligung erlebbar – als kollektiven Prozess mit spürbarem Einfluss.
Wir möchten ganz konkret folgende Gewohnheiten verändern:
- Man fühlt sich alleine, machtlos und ausgeliefert
- Man engagiert sich (in seiner Nische) oder tut gar nichts
- Man geht lieber ganz alleine oder in Gruppen Gleichgesinnter voran, weil es machbar, einfacher ist.
- Man engagiert sich, aber hat keine Vorstellung, wo und wie sehr man damit für Klimaschutz beiträgt und Treibhausgasemissionen wirksam reduziert, direkt oder indirekt.
Diese Gewohnheiten möchten wir mit dem Ansatz des erfahrungsbasierten Lernens (David Kolb) verändern. Das Simulationsspiel weicht quasi die Gewohnheiten auf; das daran anschliessende Debriefing und die nachfolgenden Transferaktivitäten sorgen dafür, dass die Erfahrungen in der echten Welt wirksam werden.
Dies möchten wir im Sinne des Wortes radikal angehen: Wir möchten Menschen in Spieleworkshops für unterschiedlich Zielgruppen (auch durchmischt, unter Einbezug der interessierten Öffentlichkeit und Verantwortlichen aus den Bereichen (Stadt-)Forschung, Planungsbehörden, Politik, Immobilien, Investment etc) erleben lassen, was das Ziel Netto-Null konkret bedeutet. Dies schliesst dessen Dringlichkeit, die Wirksamkeit unterschiedlicher Massnahmen und die Bedeutung eines gemeinsamen, akteursübergreifenden Vorgehens mit ein. Da hört es nicht auf. Im Anschluss an das Spiel möchten wir Brücken zum Alltag bauen und dafür sorgen, dass die Erkenntnisse aus den Workshops in der Praxis aufblühen können.
Mehrere Aktionskarten im Spiel adressieren Themen, die im Kontext von „Stadt der kurzen Wege“ und von „Suffizienz“ von zentraler Bedeutung sind, ganz direkt. Dies sind beispielsweise Reduktion Mobilitätsnotwendigkeit (Kurze Wege), Suffizienz als Lebensstil, Reduktion Wohnfläche, Geschäftsmodell Reuse, bzw. Recycling im Gebäudesektor.
Die Teilnehmenden lernen dadurch neue Massnahmen kennen und werden mit deren Klimawirksamkeit konfrontiert. Dies kann sowohl dazu führen, dass sie die Stärke des Effekts überrascht oder umgekehrt eine auf falschen Annahmen beruhende Überschätzung des Effekts korrigiert. Dabei geht es immer auch darum, die Wirkung von Massnahmen realistischer einschätzen zu können.
Wer wird vom Mainstreaming profitieren und wie?
Die sieben Akteure im Spiel (Bevölkerung, Politik, Planer:innen, Energie, Industrie, Investoren, Niche Player mit sozialen/technischen Innovationen) bieten eine hervorragende Basis, um den Link zu den Akteuren in der Praxis zu schaffen. Dies soll durch das Simulationsspiel und die nachfolgenden Transferaktivitäten geschehen durch folgende Erfolgsfaktoren:
- Das Simulationsspiel schafft eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Erlebnis
- Das Simulationsspiel schafft einen gemeinsamen Bezugsrahmen (Netto-Null innerhalb CO2-Budget, Dringlichkeit, Wichtigkeit der akteursübergreifender Zusammenarbeit)
- Man erlebt sich aktiv in seinem Verhandlungsmuster und kann erfahren welche Verhaltensweisen unter Adrenalin herauskommen und was wirkungsvoll ist
Wer wird konkret profitieren:
- Städte & Gemeinden: bekommen ein erprobtes Tool für partizipative Klimaplanung
- Verwaltung & Politik: erhalten neue Impulse für transformativen Dialog
- Bürger:innen: erleben ihre Rolle als Mitgestalter:innen von Stadtzukunft
- Energieversorger & Planungsbüros: können Perspektiven besser vermitteln & integrieren
- Interessenverbände & zivilgesellschaftliche Organisationen: erhalten ein wirksames Werkzeug zur Initiierung lokaler Dialoge und für Diskussionen über den gesellschaftlichen Kulturwandel Richtung Klimaneutralität
- Klima-/nachhaltigkeitsengagierte Immobilien- und Investment-Vertreter:innen und weitere Wirtschaftsakteure im städtischen Umfeld: kriegen ein Tool, mit dem sie akteursübergreifend wirksamer agieren können und auf ein «Wirkungsfeld», das nachhaltig orientierte Akteure nicht benachteiligt, hinwirken können.
Welche Personen/Organisationen gibt es in eurem Team und was ist ihre Rolle?
- Kernteam: Markus Ulrich (UCS Ulrich Creative Simulations GmbH), Michaela Kuijvenhoven (Transformation Scout GmbH) und Sabine Mehring (Mehring Ulmann Nachhaltigkeit)
- UCS (Entwicklung und Moderation von Planspielen für Nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft) - Koordination, Entwicklung, Spielleiter, Ausbildung von Spielleiter:innen
- Transformation Scout (Lead) – Koordination, Entwicklung, Spielleiterin
- Mehring Ulmann Nachhaltigkeit – Koordination, Entwicklung, Spielleiterin
- Prof. Dr. Susanne Kytzia, Ostschweizer Fachhochschule OST (Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts "Climate and Energy") – Wissenschaftliche Begleitung aus der Perspektive Raum-/Verkehrs-/Städteplanung
Netzwerkpartner für Multiplikation, Community Building und Inputs für Einbinden in die lokale Transformation, aufsetzen und durchführen von Workshops zum lernen/weiterentwickeln (genaue Absprachen erfolgen beim Start des Projekts): Energieallianz Linth , RCE Zürich, BaselWandel, GreenUP (angefragt), Organisationsteam/Netzwerk Basel 2030 (angefragt)
Wurde die Idee (in Varianten) bereits getestet? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?
Ja. postfossilCities wurde seit 2021 bereits gegen 40 Mal eingesetzt – vor allem an Hochschulen, aber auch in Unternehmen und im öffentlichen Kontext: z. B. als Teil von Gemeinde-Nachhaltigkeits-/Klimawochen oder im Vorfeld der Entwicklung kommunaler Klimastrategien (siehe postfossilcities.ch).
postfossilCities wurde in über 10 Städten und Regionen (Basel, Zürich, Uster, St. Gallen, Fribourg, Berlin etc.) eingesetzt. Besonders wirksam zeigte sich das Spiel als Auftakt für Transformationsprozesse, etwa zur Entwicklung lokaler Klimastrategien.
Zentrale Erkenntnisse:
- Hohe Wirksamkeit für Perspektivwechsel, Systemverständnis und konstruktiven Dialog
- Das Spiel schafft eine gemeinsame Sprache / Bezugsrahmen
- Aktivierung und Sichtbarmachung kollektiver Handlungsideen und systemischer Hebel
- Hohe Energie und emotionale Wirkung – Teilnehmende erleben Selbstwirksamkeit und Mitverantwortung
Herausforderung:
Der Transfer in den Alltag der Teilnehmenden muss hinsichtlich der Dringlichkeit noch wirksamer werden. Dies betrifft sowohlöffentliche Workshops, als auch anderen Formaten. Teilnehmende gehen inspiriert und motiviert aus dem Workshop, doch es fehlen oft ein strukturiertes Follow-up – etwa in Form konkreter Anschlussformate, Verantwortlichkeiten oder Ressourcen – und die Bereitschaft der betroffenen Akteure, sich auf Veränderungsprozesse, die etablierte Abläufe und Strukturen „bedrohen“ könnten, wirklich einzulassen.
→ Deshalb entwickeln wir nun ein städtisches Debriefing inkl. Hilfestellung zum Transfer wenn möglich mit Wirkungsmessung, das diesen Übergang gezielt gestaltet und die Wirkung des Spiels nachhaltig in lokale Prozesse überführt.
Eine der Grundfragen ist auch wie kann/muss der postfossilCities Workshop eingebettet werden um die Transformation zu beflügeln. Denn oft ist es schwierig die Kausalkette zur Wirkung zu machen, da sie ja auf eine innere Veränderungen abzielen und die Zeit braucht und verschiedene Einflüsse. Wir wissen, dass sich viele Menschen an die Erfahrungen aus dem Simulationsspiel auch lange nach dem Workshop erinnern. Daher wollen wir gerne den Transfer mit Klimakommunikations-Theorie und das Einbringen der Praxis Perspektive anreichern. Das heisst Erfahrungswerte von Expert*innen aus Stadtverwaltung/Umweltämtern; Expertise zu Transfer und Verstetigung --> Wie lassen sich Erkenntnisse und Impulse aus einer Spiel-Session nachhaltig verankern/Wirkung entfalten etc.
Mit der Hochschule OST wurde im Rahmen eines Studienprojektes «eine Strategie zur Skalierung des Planspiels erstellt» - es analysiert die IST Situation, macht eine Zielgruppen und Konkurrenzanalyse und gibt Handlungsempfehlungen. Das Projekt läuft bis 10.Juni und zeigt schon Potentiale für den Bereich des Einsatzes in Gemeinden und Städten. Ziel ist es dieses Potential näher zu bestimmen und zu heben.
Auch wird eine Version pfC Junior entwickelt in Kollaboration mit dem Verkehrshaus, woraus sich auch für den städtischen Kontext Synergien ergeben können (Visualisierung, Vereinfachungen, generationenübergreifende Projekte)
Woran möchtet ihr während des Boosters arbeiten? Was erhofft ihr, werdet ihr am Ende des Boosters konkret erreicht haben?
- Entwicklung und Einsatz eines kontextspezifischen städtischen Debriefing-Formats (inkl. Hilfestellung zum Transfer und wenn möglich Wirkungsmessung)
- Verbesserte Visualisierung der Simulationsresultate zur Unterstützung des Dialogs während und nach dem Spiel (wenn nötig)
- Aufbau einer Community of Practice (Netzwerk von SpielleiterInnen und BotschafterInnen/UnterstützerInnen, die postfossilCities gemeinsam in die Schweiz hinaustragen) - Plattform, Austauschformate, Demonstrationsmaterial (ggf. Webseite, Flyer, Video)
- Unterstützung von 3-5 Workshops in Schweizer Städten/Gemeinden – wichtige ist hier, dass auch eine finanzielle Beteiligung des Auftraggebers erfolgt.
Ziel: Ein multiplizierbares Format, das Gemeinden, Gemeindeberater:innen, NGOs & Initiativen eigenständig einsetzen können.
Was erhofft ihr euch vom Booster?
- Kontakte zu Verwaltungen & Pilotgemeinden
- Kontakte zu Expert:innen für Gemeindeentwicklung und -beratung (Planungsbüros, Gemeindeverbände, Partizipation etc.) – für Praxis Erfahungswerte zu Transfer und Verstetigung
- Konkrete, durch separate Budgets finanzierte Testmöglichkeit(en) (Workshops mit anschliessendem Transfer)
- Bekanntheit des Simulationsspiels und Netzwerk erweitern
Wen braucht ihr als Expert:in, um die Idee weiter voranzutreiben? (gut abgrenzen von vorherigen Abschnitt)
- Strategisches Community Design (wie lassen wir unsere Community wachsen, was ist auch an IT Infrastruktur nötig dafür)
- Storytelling und Marketing (für die Erstellung von Kommunikationsdokumente)
- Expertise Klimakommunikations-Theorie um diese Punkte in dem Debriefing/Transfer wirkungsvoll einzubringen
- Austausch mit Expert:innen für Visualisierung (wenn das relevant wird - es ist noch zu klären ob ein Verbessern der Visualisierung wirklich zielführend ist oder die Hebel eher woanders sind – sprengt wahrscheinlch den Rahmen bis Ende Jahr)
- Austausch mit Expert:innen für Wirkungsmessung und partizipartive Entwicklung (soweit innerhalb des Budget-/Zeitrahmens)
Wie viel Budget fordert ihr von uns für was (max. CHF 22'500 inkl. Expert:innen-Gutscheine)?
Gesamt: CHF 22’500, aufgeteilt wie folgt:
- Entwicklung Debriefing & Visualisierung: CHF 8’000
- Aufbau Community of Practice & Kommunikationsmaterialien: CHF 6’000
- Unterstützung von 3-5 Workshops: CHF 4’000
- Fachliche Begleitung des Projekts durch OST, inklusive Durchführung eines 1-tägigen Austauschevents mit Spiel und Expert:innengesprächen: CHF 1’000
- Expert:innen-Gutscheine (Beratung, Community/IT, Storytelling Marketing): CHF 3’500
postfossilCities - das Spiel zur klimaneutralen Schweiz - ist ein wissenschaftlich fundiertes Simulationsspiel aus dem NFP73. Es zeigt Entscheidungsträger:innen und Bürger:innen wo, was, mit wem und wie dringend wir für Netto-Null handeln müssen, um das Ziel von Netto-Null mit dem noch verfügbaren Kohlenstoffbudget zu erreichen. Es macht komplexe Zusammenhänge erlebbar, aktiviert Gruppenintelligenz und fördert Kooperation. Dieses Projekt entwickelt ein städtisches Debriefing inkl. Hilfestellung zum Transfer, baut eine Community of Practice auf, verbessert die Simulationsgrafik und unterstützt die Durchführung von Workshops.